Superveloce: Wie Lamborghini seine berühmteste Tradition erfand
Superveloce. Zwei italienische Wörter, die übersetzt „super schnell“ bedeuten. Für Lamborghini sind sie aber weit mehr als das. Seit Jahrzehnten tragen nur die kompromisslosesten Modelle der Marke dieses Kürzel. Und angefangen hat alles 1971 – mit einem Auto, das bis heute zu den bedeutendsten Sportwagen der Geschichte zählt: dem Miura SV.
Aus einem wilden Supersportwagen wird eine Legende
Als der Lamborghini Miura 1966 vorgestellt wurde, stellte er die Sportwagenwelt auf den Kopf. Sein quer eingebauter V12 hinter den Sitzen machte ihn zum Vorbild für praktisch alle späteren Mittelmotor-Supersportwagen. Doch so spektakulär der Miura war, er hatte auch seine Eigenheiten. Bei hohen Geschwindigkeiten verlangte er seinem Fahrer viel ab, und technische Details boten noch Verbesserungspotenzial.
Nach dem Miura P400 und dem Miura S legte Lamborghini deshalb 1971 noch einmal nach. Das Ergebnis war der Miura SV – Super Veloce. Nicht einfach mehr Leistung, sondern ein umfassend überarbeitetes Gesamtpaket.

Lamborghini Miura SV/Foto: Lamborghini
Mehr Leistung – und deutlich mehr Kontrolle
Herzstück blieb der 3,9 Liter große V12. Im Miura SV leistete er 385 PS und beschleunigte den Wagen in weniger als 5,5 Sekunden auf 100 km/h. Mehr als 290 km/h Spitze machten ihn Anfang der 1970er-Jahre zu einem der schnellsten Serienautos der Welt.
Außerdem gab es eine ganze Reihe von technischen Verbesserungen, die am Wagen vorgenommen wurden. Lamborghini trennte erstmals die Schmierung von Motor und Getriebe, wodurch beide Aggregate deutlich zuverlässiger wurden. Gleichzeitig erhielt der Miura eine breitere Hinterachse, ein überarbeitetes Fahrwerk und größere Reifen. Das Ergebnis war kein zahmer Sportwagen – aber einer, der seine Leistung wesentlich kontrollierter auf die Straße brachte.

Lamborghini Miura SV/Foto: Lamborghini
Auch optisch eigenständig
Der Miura SV war auf den ersten Blick als Topmodell zu erkennen. Die markanten „Wimpern“ um die Scheinwerfer verschwanden, die hinteren Kotflügel wurden deutlich verbreitert und schufen Platz für die größeren Reifen. Die Änderungen waren notwendig, um die Fahrdynamik zu verbessern.

Lamborghini Miura SV/Foto: Lamborghini
Aus zwei Buchstaben wird ein Markenzeichen
Mit dem Miura SV entstand nicht nur die letzte und ausgereifteste Ausbaustufe der Baureihe. Lamborghini schuf gleichzeitig eine Bezeichnung, die bis heute einen besonderen Klang hat. SV steht seitdem für die extremste Straßenversion eines Modells – leichter, stärker und kompromissloser als die ohnehin schon spektakulären Serienfahrzeuge.
Nach dem Miura verschwand das Kürzel zunächst wieder. Erst viele Jahre später holte Lamborghini es zurück – und machte daraus endgültig eine Tradition.
Diablo SV
Mit dem Diablo SV kehrte Superveloce Mitte der 1990er-Jahre auf die Straße zurück. Mehr Leistung, weniger Gewicht und ein deutlich fahrerorientierteres Konzept machten ihn zur schärfsten Variante des V12-Sportwagens. Spätestens jetzt war klar: SV war kein einmaliger Modellzusatz, sondern ein festes Versprechen.

Lamborghini Diablo SV/Foto: Lamborghini
Murciélago SV
2009 erreichte die Idee ihren nächsten Höhepunkt. Der Murciélago LP 670-4 SuperVeloce verlor rund 100 Kilogramm Gewicht, erhielt mehr Leistung und verzichtete auf alles, was für maximale Performance entbehrlich war. Viele Fans halten ihn bis heute für einen der charakterstärksten modernen Lamborghinis.
Aventador SV und SVJ
Auch der Aventador führte die Tradition fort. Zunächst als SV, später mit dem noch extremeren SVJ, der eindrucksvoll zeigte, wie weit Lamborghini das Konzept inzwischen entwickelt hatte. Aerodynamik, Fahrwerk und Elektronik arbeiteten hier auf einem Niveau, das 1971 kaum vorstellbar gewesen wäre – die Idee dahinter war jedoch dieselbe geblieben: das Maximum aus einem V12 herauszuholen.

Lamborgini Aventador LP 750-4 Superveloce/Foto: Lamborghini
Eine Tradition, die bis heute lebt
55 Jahre nach seiner Vorstellung gilt der Miura SV noch immer als Ursprung einer der berühmtesten Modellbezeichnungen der Automobilwelt. Aus zwei italienischen Wörtern wurde ein Gütesiegel, das bis heute nur die kompromisslosesten Lamborghini tragen dürfen. Und genau deshalb steht der Miura SV nicht nur am Ende seiner eigenen Baureihe – sondern am Anfang einer Tradition, die bis heute fortlebt.
Fotos: Lamborghini















