Bugatti Destrier: Aus dem Bolide wird ein 1600-PS-Einzelstück für Pebble Beach
Der Bugatti Bolide ist eigentlich für die Rennstrecke gebaut: extreme Aerodynamik, 1.600 PS. Für den neuen Destrier hat Bugatti genau diese technische Basis genommen und daraus etwas völlig anderes gemacht. Das dritte Einzelstück aus dem „Programme Solitaire“ verzichtet auf einen Großteil der sichtbaren Rennwagen-Aerodynamik und rückt stattdessen die ungewöhnlichen Proportionen des Bolide in den Mittelpunkt. Das Ergebnis ist nur einen Meter hoch, steht vorne auf 20- und hinten auf 21-Zoll-Rädern und wird von einem 8,0-Liter-W16 mit vier Turboladern und 1.600 PS angetrieben.
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Der Name Destrier steht für ein besonders kräftiges und wertvolles Streitross mittelalterlicher Ritter. Bugattis Ausgangsfrage für das Projekt war allerdings interessanter als die Namensgeschichte: Wie würde der Bolide aussehen, wenn seine Form nicht permanent von maximalem Abtrieb bestimmt würde?
Die Carbon-Monocoque-Struktur des Bolide blieb erhalten. Die Karosserie darüber wurde jedoch grundlegend neu gestaltet. Besonders auffällig sind die riesigen Räder. Der Bolide fährt auf 18-Zoll-Rädern, beim Destrier wachsen sie auf 20 Zoll vorne und 21 Zoll hinten. Zusammen mit der extrem niedrigen Fahrgastzelle entstehen Proportionen, die bei einem normalen Straßen-Supersportwagen kaum möglich wären.

BUGATTI Solitaire Destrier/ Foto Bugatti
Auch bekannte Bugatti-Merkmale wurden verändert. Die C-Line endet zunächst vor dem vorderen Radhaus und setzt sich danach bis zum Hufeisengrill fort. Dieser ist breiter als beim Bolide. Am Heck sitzt ein in die Karosserie integrierter Flügel, dessen Gestaltung Bugatti mit dem Chiron Profilée in Verbindung bringt.
Bugatti zieht dabei eine interessante Parallele zur eigenen Vergangenheit. In den 1930er-Jahren diente das Chassis des Type 57 sowohl als Grundlage für die Rennwagen Type 57G und Type 57C „Tank“ als auch für den Type 57SC Atlantic. Die „Tank“-Rennwagen gewannen 1937 und 1939 die 24 Stunden von Le Mans, während der Atlantic zu einem der berühmtesten Bugatti-Entwürfe überhaupt wurde.

BUGATTI Solitaire Destrier/ Foto Bugatti
Beim Destrier wiederholt Bugatti dieses Prinzip: Bolide und Destrier teilen sich die technische Basis, verfolgen gestalterisch aber völlig unterschiedliche Ziele. Eine lasergravierte Plakette oberhalb der Windschutzscheibe zeigt deshalb sowohl den Type 57G Tank als auch den Type 57SC Atlantic.
Auch die Farbe gibt es nur für dieses Einzelstück. „Sapphire Celeste“ ist ein mehrschichtiger blauer Lack mit feinen Effektpigmenten, die je nach Lichteinfall unterschiedlich schimmern. Sichtbares Carbon beschränkt Bugatti bewusst auf Frontsplitter und Heckdiffusor; auch diese Bauteile wurden farblich auf den Lack abgestimmt. Dazu kommen polierte Aluminiumelemente.

BUGATTI Solitaire Destrier/ Foto Bugatti
Die Farbwahl verweist erneut auf den Type 57SC Atlantic. Das Chassis 57591, bekannt als „Pope Atlantic“, wurde ursprünglich blau ausgeliefert und erst später schwarz lackiert. Einen weiteren Hinweis auf den Namen Destrier findet man im Motorraum: Metallflächen besitzen dort eine gehämmerte Struktur, die an historische Ritterrüstungen erinnern soll.
Noch deutlicher sieht man den Unterschied zwischen Destrier und Bolide im Cockpit. Statt eines möglichst funktionalen Rennwagen-Innenraums setzt Bugatti auf Leder und Nubuk im warmen Braunton „Ambre Voyageur“ sowie auf dreidimensional gestricktes Textil.

BUGATTI Solitaire Destrier/ Foto Bugatti
Das Gewebe verbindet Techniken aus Mode und Sportbekleidung. Feine Kupfergarne laufen durch das Material und bilden ein kreisförmiges Muster, das Bugatti „Halo Line“ nennt. Dazu kommen speziell ausgeführte Nähte und Stickereien an Kopfstützen und Mittelkonsole.
Die gehämmerte Metalloberfläche aus dem Motorraum taucht auch am Türöffner, an den Luftausströmern, an der Lenkradnabe und auf der Einstiegsleiste wieder auf. Eine kleine französische Trikolore verweist auf die Herkunft der Marke. Selbst der Öleinfülldeckel wurde zum Sammlerdetail: Neben dem Destrier-Emblem trägt er die Kennzeichnung „1/1“.
Der spektakulärste Teil des Autos wurde hingegen kaum verändert. Hinter der neuen Karosserie arbeitet weiterhin der komplette Antriebsstrang des Bolide: 8,0 Liter Hubraum, 16 Zylinder, vier Turbolader und 1.600 PS. Ob die Transformation einer Rennmaschine in ein Concours-Fahrzeug gelungen ist, wird sich während der Monterey Car Week zeigen. Dort feiert der Destrier seine Premiere, bevor er am 16. August beim Pebble Beach Concours d’Elegance gezeigt wird.
Fotos: Bugatti


































