Erster Czinger 21C wird versteigert
Am 15. August 2026 wird bei RM Sotheby’s in Monterey ein Czinger 21C, Baujahr 2025 in der aerodynamisch besonders aufwendigen HDF-Ausführung versteigert. Das gelbe Hypercar hat 523 Meilen, umgerechnet rund 842 Kilometer auf dem Tacho. RM Sotheby’s erwartet einen Zuschlag zwischen 2,3 und 2,5 Millionen Dollar. Damit beginnt für Czinger eine neue Ära: der Gebrauchtwagenmarkt.
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Der damalige Grundpreis des 21C lag bei 2.361.200 Dollar. Das angebotene Exemplar besitzt zusätzliche Ausstattung im Wert von 133.600 Dollar. Rechnerisch kostete es damit knapp 2,5 Millionen Dollar vor Steuern. Die Schätzung von RM Sotheby’s entspricht also ziemlich genau dem ursprünglichen Fahrzeugpreis. Für den Käufer kommt noch das Aufgeld des Auktionshauses hinzu.
Interessant wird das Ergebnis auf jeden Fall, denn Czinger wurde erst 2019 gegründet. Einen Vergleichswert für einen gebrauchten 21C gibt es bislang nicht.

Hinter Czinger stehen Kevin Czinger und sein Sohn Lukas. Kevin Czinger gründete das Technologieunternehmen Divergent, das neue Verfahren für die Konstruktion und Fertigung von Fahrzeugteilen entwickelt.
Einen ersten Vorgeschmack lieferte 2015 der Divergent Blade. Der Prototyp besaß bereits additiv gefertigte Metallstrukturen und eine schmale Kabine mit hintereinander angeordneten Sitzen. Beim 21C wurde daraus ein zulassungsfähiges Serienauto – wobei der Begriff „Serie“ angesichts von weltweit 80 geplanten Exemplaren schon großzügig ausgelegt ist.
Die ungewöhnlichen Bauteile entstehen zunächst im Computer. Die Software erhält Vorgaben zu Belastung, Bauraum, Gewicht und Sicherheitsreserven. Auf dieser Grundlage berechnet sie Bauteile, bei denen Material nur an den belasteten Stellen eingesetzt wird.. Anschließend verschmilzt ein Laser Metallpulver Schicht für Schicht. Dann setzen Roboter die fertigen Komponenten zusammen. Viele Fahrwerks- und Chassisteile sehen deshalb eher nach Skelett, als nach Automobilbau aus.
Mehr als 20 Prozent des 21C werden mit lasergedruckten Metallkomponenten gefertigt. Ein Hypercar aus dem 3D-Drucker ist er deshalb noch lange nicht, denn Monocoque und Karosserie bestehen aus Carbon.

Beim Antrieb hat Czinger ebenfalls bei null angefangen. Hinter der Kabine sitzt ein selbst entwickelter 2,88-Liter-V8 mit zwei Turboladern und Flat-Plane-Kurbelwelle. Der Motor leistet 750 PS und dreht bis 11.000 Touren.
Zwei Elektromotoren treiben die Vorderräder an. Gemeinsam mit dem V8 erreicht das System 1.250 PS. Die Hinterräder erhalten ihre Kraft über ein sequenzielles Siebenganggetriebe. Ein zusätzlicher Generator erzeugt während der Fahrt elektrische Energie. Einen Ladeanschluss besitzt der 21C nicht.
Für den Sprint auf 60 mph, rund 97 km/h, nennt Czinger 1,9 Sekunden. Die häufig erwähnte Höchstgeschwindigkeit von 407 km/h gehört allerdings zur V-Max-Version, während die HDF Version für hohen Abtrieb ausgelegt ist Jener wird über den großen Heckflügel und die übrige Aerodynamik erzeugt, 1,49 Tonnen bei 241 km/h sollen es laut Hersteller sein.

Fahrer und Passagier sitzen im 21C hintereinander. Der Fahrer blickt aus der Fahrzeugmitte auf die Straße, während der Beifahrer die Beine links und rechts am Vordersitz vorbeistreckt. Grund für die ungewöhnliche Positionierung: Die schmale Kabine verkleinert die Stirnfläche und schafft mehr Platz für die Luftführung an den Fahrzeugseiten.
Der Einstieg erfolgt über zwei lange Flügeltüren. Fahrer und Beifahrer können dabei grundsätzlich beide Seiten benutzen. Einen Innenspiegel gibt es ebenso wenig wie einen Cupholder. Lautsprecher und Apple CarPlay sind vorhanden.
Das Auktionsauto ist in Artemis Yellow lackiert. Zwei sichtbare Carbonstreifen ziehen sich über die Karosserie – ein Extra, das bei Czinger mit 60.000 Dollar in der Preisliste steht. Hinzu kommen Carbon-Seitenschweller, zweiteilige Räder, farblich angepasste Bremssättel und gelbe Nähte im schwarzen Alcantara-Innenraum.

Die Vita des 21C weist mehrere Rekordfahrten aus. Im Juli 2025 fuhr ein Werksteam mit einem 21C HDF innerhalb von fünf Tagen auf fünf kalifornischen Rennstrecken neue Bestzeiten für Serienautos. Die Tour führte über Thunderhill, Sonoma Raceway, Laguna Seca, Willow Springs und den Thermal Club. Zwischen den Strecken legte das Auto rund 1.000 Meilen auf öffentlichen Straßen zurück.
Im Dezember 2025 kehrte Werksfahrer Joel Miller nach Laguna Seca zurück. Seine Zeit von 1:22,30 Minuten unterbot den vorherigen Rekord des Koenigsegg Sadair’s Spear um fast zwei Sekunden. Gefahren wurde auf straßenzugelassenen Michelin Pilot Sport Cup 2 R.
Mit der Versteigerung in Monterey erhält der 21C erstmals einen öffentlich dokumentierten Preis auf dem Sekundärmarkt. Der Zuschlag wird einen ersten Hinweis darauf geben, wie Sammler die junge Marke und ihre auf 80 Exemplare begrenzte Baureihe bewerten.
Fotos: RM Sotheby´s


























