Aston Martin Valen: 850 PS für den stärksten Frontmotor-V12 der Marke
Während große Verbrennungsmotoren andernorts zunehmend aus den Modellprogrammen verschwinden, entwickelt Aston Martin seinen 5,2-Liter-Biturbo-V12 weiter. Im neuen Valen erreicht er nun 850 PS und 1.000 Nm.
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Damit übertrifft der Valen den aktuellen Vanquish um 15 PS, während das maximale Drehmoment unverändert bleibt. Auch die Höchstgeschwindigkeit bleibt gleich: Sie wird elektronisch bei 214 mph beziehungsweise rund 345 km/h begrenzt.
Die zusätzlichen 15 PS erzählen allerdings nur einen kleinen Teil der Geschichte. Interessanter ist, was Aston Martin rund um den V12 verändert hat.

Aston-Martin Valen/Fotos: Aston-Martin
Bis zu 110 Kilogramm weniger
Der Valen entstand innerhalb des Q-by-Aston-Martin-Programms und mit Unterstützung der neu geschaffenen Abteilung Special Vehicle Operations. Q war zuletzt unter anderem für Modelle wie Valour, Valiant und DBR22 verantwortlich.
Beim Valen lag ein Schwerpunkt ausdrücklich auf Gewichtsreduzierung. Aston Martin spricht von bis zu 110 Kilogramm gegenüber der regulären V12-Plattform. Zum Einsatz kommen Carbon, Aluminium, Titan und Magnesium.
Allein das optionale Leichtbaupaket spart laut Hersteller 16,9 Kilogramm ein. Darin enthalten sind aus dem Vollen gefräste Aluminiumbauteile für Fahrwerk und Radaufhängung sowie Titanschrauben im Chassisbereich. Magnesiumräder gehören bereits zur Serienausstattung. Sie reduzieren vor allem die ungefederten Massen und sollen damit sowohl das Ansprechverhalten der Lenkung als auch die Radführung verbessern. Ein endgültiges homologiertes Leergewicht nennt Aston Martin bislang allerdings nicht.

Aston-Martin Valen/Fotos: Aston-Martin
850 PS, aber die entscheidenden Änderungen liegen woanders
Der bekannte 5,2-Liter-V12 mit zwei Turboladern liefert seine 1.000 Nm bereits ab 2.500 Touren. Die Kraft gelangt über eine Achtgangautomatik von ZF an die Hinterräder.
Für den Valen wurde deren Software grundlegend neu abgestimmt. Aston Martin verwendet Schaltstrategien, die aus dem Vantage-GT4-Rennprogramm abgeleitet wurden. Die Gangwechsel sollen schneller und direkter erfolgen. Der Sprint auf 60 mph, also knapp 97 km/h, dauert laut Hersteller 3,0 Sekunden.

Aston-Martin Valen/Fotos: Aston-Martin
Fahrwerk mit eigener Abstimmung
Noch deutlicher fallen die Eingriffe beim Chassis aus. Der hintere Hilfsrahmen wird starr mit der Karosseriestruktur verbunden. Hinzu kommen modellspezifische Federn, zusätzliche Helper Springs und semiaktive Bilstein-DTX-Dämpfer. Auch Lenkung, Dämpferregelung, Radsturz, ESP und Bremssystem wurden für den Valen neu abgestimmt.
Aston Martin will damit Roll- und Nickbewegungen reduzieren und insbesondere das Einlenkverhalten schärfen. Der Valen soll sich subjektiv kleiner und leichter anfühlen, ohne die Langstreckentauglichkeit vollständig zu opfern. Der Valen bleibt der klassischen Architektur des Hauses treu: großer V12 im Vorderwagen, Hinterradantrieb und eine weit nach hinten versetzte Sitzposition.
Reifen liefern Daten an ESP und ABS
Auf den serienmäßigen Magnesiumrädern sitzen speziell für den Valen abgestimmte Pirelli P Zero R in 275/35 ZR21 vorne und 325/30 ZR21 hinten. Dazu arbeiten an der Vorderachse 410 Millimeter große Carbon-Keramikscheiben, hinten messen sie 360 Millimeter.
Technisch besonders interessant ist die Integration von Pirellis Cyber-Tyre-System. Sensoren im Reifen liefern während der Fahrt Daten an die Fahrzeugsysteme.
Gemeinsam mit Bosch Engineering wurde die Technik direkt in die elektronische Architektur des Valen eingebunden. ESP, ABS und Traktionskontrolle können ihre Regelstrategien dadurch an den aktuellen Zustand der Reifen anpassen.
Damit erhalten die Regelsysteme zusätzliche Informationen unmittelbar von der einzigen Stelle des Autos, die tatsächlich Kontakt zur Straße hat.

Aston-Martin Valen/Fotos: Aston-Martin
Titananlage mit vier Endrohren
Auch beim Auspuff betreibt Aston Martin erheblichen Aufwand. Die speziell entwickelte Titananlage spart Gewicht und endet in vier Endrohren. Zwei liegen oben, zwei darunter. Die oberen Ausgänge bleiben permanent geöffnet, während die unteren abhängig vom Fahrmodus über Klappen zugeschaltet werden.
Die Endstücke werden im 3D-Druckverfahren aus Titan hergestellt.
Akustisch wurde die Anlage bewusst auf höhere Frequenzen abgestimmt. Tiefe Töne wurden reduziert, höhere stärker hervorgehoben. Die oberen Ausgänge funktionieren laut Aston Martin dabei ähnlich wie Orgelpfeifen und erzeugen bei höheren Drehzahlen zusätzliche Resonanzen.
Das Ziel ist offensichtlich: Der V12 soll nicht nur schnell, sondern auch möglichst präsent klingen.

Aston-Martin Valen/Fotos: Aston-Martin
Vollcarbon-Außenhaut und neues Heck
Die sichtbaren Karosserieteile des Valen bestehen aus Carbon und wurden speziell für dieses Modell gestaltet. Vorne sitzen schmale, tief eingelassene Scheinwerfer unter der stark nach unten gezogenen Motorhaube. Der Kühlergrill wird kantiger, während große seitliche Öffnungen Luft aus den vorderen Radhäusern ableiten.
Die seitlichen Luftauslässe ziehen sich weit in die Türen hinein. Unterhalb davon formen stark ausgeprägte Schweller eine deutlich schmalere Fahrzeugmitte. Gezackte Vortex-Generatoren an den hinteren Enden der Schweller regulieren die Unterbodenströmung und sollen Auftrieb reduzieren.
Besonders ungewöhnlich fällt das Heck aus. Aston Martin verzichtet auf die klassische Kombination aus feststehender Heckscheibe und separatem Kofferraumdeckel. Stattdessen besitzt der Valen eine große geschlossene Heckklappe.
Der weit nach oben gezogene Abschluss arbeitet zugleich als aerodynamisches Element. Er funktioniert ähnlich wie ein Gurney-Flap und soll Abtrieb erzeugen, ohne einen großen feststehenden Heckflügel zu benötigen.
Unterhalb des durchgehenden Rücklichtbands sitzt eine perforierte Fläche, über die Wärme aus dem Bereich der Auspuffanlage entweichen kann. Darunter zieht sich der Diffusor weit nach oben, dazwischen sitzen die vier Endrohre.
Trotz des aufwendigen Aufbaus bleibt ein 170 Liter großer Gepäckraum. Passend dazu bietet Aston Martin ein maßgeschneidertes Kofferset an.

Aston-Martin Valen/Fotos: Aston-Martin
Neues Cockpit mit Valhalla-Anleihen
Auch der Innenraum wurde für den Valen neu gestaltet. Die Mittelkonsole fällt deutlich schlanker aus und verwendet mehrere 3D-gedruckte Bauteile. Teile des Bedienkonzepts stammen vom Mittelmotor-Hybrid Valhalla. Der zentrale Bildschirm steht flacher und wird stärker in die Architektur der Mittelkonsole integriert.
Die Kunden haben die Wahl zwischen komfortableren Sports-Plus-Sitzen und leichteren Performance-Sitzen aus Carbon. Auch bei Leder, Alcantara und Farben gibt es reichlich Spielraum für Entscheidungen. Wie bei Q by Aston Martin üblich, lässt sich der Innenraum nach den persönlichen Vorstellungen des Besitzers gestalten.
Auch eine vollständig sichtbare Carbon-Außenhaut wird als Option angeboten. Dabei wird das Gewebe entlang der Fahrzeugmitte symmetrisch ausgerichtet. Zusätzlich lässt sich das Carbon einfärben und matt oder glänzend versiegeln.

Aston-Martin Valen/Fotos: Aston-Martin
Nur 150 Exemplare
Der Name Valen leitet sich vom lateinischen „valens“ ab und lässt sich mit stark oder kraftvoll übersetzen. Gleichzeitig setzt er die lange Reihe von Aston-Martin-Modellen mit V im Namen fort – von Vantage und Vanquish über Valkyrie und Valhalla bis zu Valour und Valiant.
Der Valen ist auf 150 Exemplare limitiert. Die ersten Auslieferungen sind für das zweite Quartal 2027 vorgesehen. Einen offiziellen Preis nennt Aston Martin in der Pressemitteilung nicht. Der Valen zeigt ziemlich deutlich, wo Aston Martin beim klassischen Frontmotor-Sportwagen noch Entwicklungspotenzial sieht. Die zusätzlichen 15 PS gegenüber dem Vanquish sind dabei fast Nebensache. Der eigentliche Aufwand steckt an ganz anderen Stellen.
Fotos: Aston-Martin



























