Porsche 550 J: Dieser kleine Spyder ist kein Spielzeug
Sieht aus wie ein Modellauto, fährt aber: Der Porsche 550 J ist eine auf 250 Exemplare limitierte Neuinterpretation des 550 Spyder – 2,90 Meter lang, elektrisch angetrieben und bis zu 80 km/h schnell.
Entwickelt und gefertigt wird der auf etwa 80% der Originalgröße geschrumpfte Zweisitzer von Hedley Studios. Porsche hat das Projekt offiziell lizenziert und den Briten für die Entwicklung Zugang zum Unternehmensarchiv gewährt.
Dabei handelt es sich ausdrücklich nicht um ein Kinderauto. Porsche und Hedley Studios verstehen ihn als fahrbares Sammlerstück, in dem zwei Erwachsene Platz finden. 250 Exemplare sollen entstehen.
Hedley Studios hat sich genau auf diese Art von Fahrzeug spezialisiert. Das britische Unternehmen baut unter anderem verkleinerte Versionen des Ferrari 250 Testa Rossa, Bugatti Type 35, Aston Martin DB5 und Bentley Blower. Die Fahrzeuge sind offiziell von den jeweiligen Herstellern lizenziert und als hochwertige Sammlerobjekte konzipiert. Der Porsche ist der jüngste Zugang zu dieser ungewöhnlichen Fahrzeugklasse.

Porsche 550 Spyder J, Hedley Studios und Porsche, 2026, Porsche AG
Einfach einen 550 in kleiner zu bauen, war für das Projekt nicht der richtige Weg. Hedley Studios beschäftigte sich über Jahre mit dem Original. Porsche gewährte den Entwicklern Zugang zum Museum, zu historischen Zeichnungen, Fotografien, Broschüren und weiteren Archivunterlagen. Auch Porsche-Experten begleiteten die Entwicklung.
Das war schon deshalb nötig, weil sich ein Auto nicht einfach auf 80 Prozent verkleinern lässt. Bei diesem linearen Maßstab steht nur ungefähr die Hälfte des ursprünglichen Volumens zur Verfügung. Trotzdem mussten zwei Erwachsene, Fahrwerk, Batterien und Antrieb untergebracht werden.
Viele Komponenten entstanden, wie bei solchen Projekten üblich, in Handarbeit. Dazu gehören unter anderem Lenkrad, Instrumente, Karosserie, Chassis und Räder. Allein die Entwicklung des verkleinerten Banjo-Lenkrads nahm nach Angaben von Hedley Studios mehrere Monate in Anspruch.

Porsche 550 Spyder J, Hedley Studios und Porsche, 2026, Porsche AG
Unter der historischen Form steckt ernsthafte Technik. Die Carbonfaser-Karosserie sitzt auf einem Stahl-Gitterrahmen. Gebremst wird mit Scheibenbremsen und Brembo-Sätteln an allen vier Rädern. Bei den Fahrwerkskomponenten arbeitet Hedley mit Bilstein und Eibach zusammen.
Die Batterien sitzen dort, wo sich beim historischen 550 der Motor befand. Damit soll die Gewichtsverteilung dem Mittelmotor-Konzept des Originals möglichst nahekommen. Selbst die Fahrwerksgeometrie orientiert sich am historischen Vorbild.
Ben Hedley bringt den Anspruch seines Unternehmens auf einen einfachen Punkt: Man habe keinen Gokart bauen und anschließend eine hübsche Karosserie darüberstülpen wollen. Der 550 J sollte sich auch beim Fahren wie ein richtiges Auto anfühlen.
Statt des Vierzylinder-Boxermotors arbeitet hinter den Sitzen allerdings ein Elektroantrieb. Das 48-Volt-System leistet in der Basisversion rund 8 kW. Mit dem optionalen RS-Paket steigt die Leistung auf 16 kW. Dann sind maximal rund 80 km/h möglich.
Das RS-Paket bringt außerdem zusätzliche Batteriekapazität, einstellbare Bilstein-Dämpfer und leistungsfähigere Bremsen. Das Gewicht liegt bei ungefähr 330 Kilogramm beziehungsweise 350 Kilogramm mit RS-Paket.
Damit beantwortet sich allerdings noch nicht die naheliegendste Frage: Wo fährt man mit einem 80 km/h schnellen kleinen Porsche, der keine Straßenzulassung besitzt?
Solche Junior Cars sind oft fahrbare Bestandteile einer Sammlung. Sie werden auf privaten Straßen und bei entsprechenden Veranstaltungen bewegt. Hedley-Gründer Ben Hedley betont ausdrücklich, dass die Autos trotz ihres Sammlerstatus gefahren werden sollen.

Porsche 550 Spyder, Porsche 550 Spyder J (l-r), Hedley Studios und Porsche, 2026, Porsche AG
Beim 550 J dürfte das durchaus seinen Reiz haben. Die Entwickler beschreiben ihn als leicht und sehr direkt, mit schneller Reaktion und entsprechend agilem Fahrverhalten. Bei maximal 350 Kilogramm braucht es schließlich keine dreistellige Leistung, um für Unterhaltung zu sorgen.
Warum Hedley ausgerechnet den 550 ausgewählt hat, erklärt dessen Geschichte. Bei der Carrera Panamericana 1954 traten Hans Herrmann und Jaroslav Juhan mit zwei 550 Spyder an.
Nach fünf Renntagen und 3.077 Kilometern trennten beide lediglich 36 Sekunden. Die Porsche belegten die Plätze drei und vier der Gesamtwertung und gewannen ihre Klasse gegen erheblich hubraumstärkere Konkurrenten. Der Erfolg war so bedeutend, dass Porsche die Bezeichnung „Carrera“ anschließend für besonders sportliche Modelle verwendete.
Passend zum 75-jährigen Jubiläum von Porsche Motorsport wird diese Geschichte nun noch einmal im Maßstab 0,8 erzählt.
Bei der Konfiguration können Käufer zwischen klassischem Porsche-Silber, historischen Farbtönen, modernen Farben und Lackierungen wählen, die einen Hauch von Motorsport versprechen. Auch Porsche Paint to Sample steht zur Verfügung. Darüber hinaus bietet Hedley Studios ein umfangreiches Bespoke-Programm an.
Jedes der 250 Fahrzeuge wird bei Hedley Studios im britischen Bicester von Hand gefertigt.
Billig ist die verkleinerte Motorsportgeschichte erwartungsgemäß nicht. Porsche nennt in seiner Pressemitteilung keinen Preis. Top Gear berichtet von einem Grundpreis von 69.500 britischen Pfund zuzüglich Steuern. Mit RS-Paket, Sonderlackierung und weiteren Individualisierungen dürfte es dabei in vielen Fällen kaum bleiben.
Fotos: Porsche AG












