McLaren M6GT: Der Straßenwagen, den Bruce McLaren nie bauen konnte
Manchmal steckt die spannendste Geschichte einer Marke nicht in ihrem neuesten Hypercar, sondern in einem Auto, das es beinahe gegeben hätte. Der McLaren M6GT gehört genau in diese Kategorie. Bruce McLaren wollte ihn tatsächlich als Straßensportwagen bauen – lange bevor der McLaren F1 oder ein 750S überhaupt vorstellbar waren.
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Jetzt, fast 60 Jahre später, hat McLaren Special Operations (MSO) diese Idee wieder zum Leben erweckt. Auf dem Goodwood Festival of Speed feierte eine vollständig restaurierte und nach historischen Unterlagen neu aufgebaute Version des M6GT ihre öffentliche Premiere.
Der M6GT entstand Ende der 1960er-Jahre direkt aus dem erfolgreichen Can-Am-Rennwagen M6A. Statt ein komplett neues Auto zu entwickeln, übertrug Bruce McLaren die Grundidee seines Rennwagens auf die Straße: leicht, kompakt, kompromisslos und mit einem kräftigen V8 hinter den Sitzen.

McLaren M6GT/Foto; McLaren
Bruce nutzte den ersten Prototyp sogar selbst im Alltag. Er fuhr damit zu Meetings und Rennveranstaltungen. Sein Plan war klar: McLaren sollte nicht nur Rennwagen bauen, sondern auch Straßensportwagen für Kunden. Durch seinen tödlichen Unfall 1970 blieb dieses Vorhaben jedoch unvollendet. Erst 25 Jahre später griff der legendäre McLaren F1 viele dieser Ideen wieder auf – Mittelmotor-Konzept, geringes Gewicht und eine Karosserie, die konsequent der Aerodynamik folgt.

McLaren M6GT/Foto; McLaren
Der jetzt vorgestellte M6GT ist keine moderne Interpretation. MSO wollte möglichst nahe an das Original herankommen. Dafür griffen die Spezialisten auf historische Zeichnungen, originale Karosserieformen und Archivmaterial zurück. Viele Bauteile wurden restauriert, andere komplett neu gefertigt. Selbst Lackierung, Oberflächen und kleine Details orientieren sich an Fotografien und Dokumenten aus der damaligen Zeit.
Besonders bemerkenswert ist die Detailverliebtheit. Das Chassis basiert auf einem zeitgenössischen M6A-Rennwagen. Die Aufhängung verwendet originale M6GT-Komponenten, die aufwendig überarbeitet wurden. Für manche Lager mussten sogar längst aus der Serienproduktion verschwundene Zollmaße wieder beschafft werden. Selbst die geschlossenen Aluminium-Nieten entsprechen dem historischen Vorbild und wurden von Fachkräften aus der Luft- und Raumfahrt montiert.

McLaren M6GT/Foto; McLaren
Auch im Innenraum verzichtete MSO auf moderne Interpretationen. Statt Carbon dominiert schlichte Funktionalität. Der Schalthebel besteht aus handgedrechseltem Walnussholz, die Sitze tragen maßgefertigte Vinylbezüge in einem Grünton, der an McLarens frühe Rennwagen erinnert.
Sogar die stark gewölbte Windschutzscheibe wurde anhand digitalisierter Originalformen neu produziert – ein Detail, das vermutlich kaum jemand bemerkt, dessen Entwicklung aber enormen Aufwand erforderte.
Unter der flachen Heckpartie arbeitet ein Chevrolet-Small-Block-V8, wie er bereits im Original vorgesehen war. Für maximale Authentizität verwendet McLaren einen zeitgenössischen Motor mit den charakteristischen „Camel Hump“-Zylinderköpfen sowie ein dazu passendes Getriebe aus derselben Ära.

McLaren M6GT/Foto; McLaren
Auch die Lackfarbe ist mehr als reine Optik. Das cremefarbene „Colnbrook White“ erinnert an die Werkstatt nahe des damaligen London Airport – dem heutigen Heathrow –, in der Bruce McLaren seine Straßenwagen-Pläne entwickelte. Der grüne Innenraum wiederum greift die Farbgebung seines ersten Formel-1-Wagens, des M2B von 1966, auf.
Der restaurierte M6GT bildet künftig den Grundstein der Heritage-Sammlung von McLaren Special Operations. Gleichzeitig zeigt McLaren in Goodwood die Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart: Neben historischen Fahrzeugen wie dem M8A, Austin 7 Ulster oder McLaren F1 stehen aktuelle Modelle wie Artura, 750S und der neue W1. Damit macht die Marke deutlich, dass viele ihrer heutigen Konstruktionsprinzipien bereits Ende der Sechziger entstanden.
Der M6GT ist ein Blick in eine alternative Geschichte des Automobilbaus. Hätte Bruce McLaren seine Pläne verwirklichen können, wäre McLaren vielleicht Jahrzehnte früher zum Hersteller exklusiver Straßensportwagen geworden.
Fotos: McLaren






























