Porsche Flachbau RS: Moby Dick darf jetzt auf die Straße
Porsche hat einen 911 GT2 RS des Typs 991.2 in ein spektakuläres Flachbau-Unikat verwandelt. Das Einzelstück verbindet die Optik des legendären 935 mit moderner Aerodynamik, 700 PS und einer Straßenzulassung. Dafür betrieb Porsche einen Aufwand, der den meisten Sonderanfertigungsexemplare nicht zuteil wird lässt.
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Als sich Porsche im Mai 2025 die Bezeichnungen „Flachbau“ und „Flachbau RS“ schützen ließ, begann in der Sportwagenszene das große Rätselraten. Bereitete Zuffenhausen eine neue Kleinserie vor? Einen besonders scharfen 911 Turbo? Oder etwa die Rückkehr der Klappscheinwerfer?
Die Antwort steht nun auf vier Rädern da und fällt ein wenig exklusiver aus, als erwartet. Ein Porsche-Kunde ließ seinen neuwertigen 911 GT2 RS mit Weissach-Paket aus dem Jahr 2018 von der Sonderwunsch-Abteilung vollständig umbauen. Das Ergebnis heißt Porsche Flachbau RS, trägt eine Straßenzulassung und existiert genau einmal.

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Der Flachbau war schon immer ein Sonderwunsch
Die Idee reicht zurück bis zum Porsche 935, der ab 1976 die Rennstrecken unsicher machte. Sein extremer Nachfolger 935/78 trieb das Konzept 1978 auf die Spitze. Der lang gestreckte Rennwagen leistete bis zu 845 PS, erreichte theoretisch 366 km/h und erhielt wegen seiner gewaltigen weißen Karosserie den Spitznamen „Moby Dick“.
Beim 935 wanderten die Scheinwerfer aus den Kotflügeln in die Frontschürze. Dadurch konnten die typischen Kotflügelkuppen des 911 einer flacheren, aerodynamisch günstigeren Front weichen.
Die Optik fand bei Porsche-Kunden großen Anklang und weckte den Wunsch nach einem straßenzugelassenen 911 im Stil des 935. Ab 1982 baute die Sonderwunsch-Abteilung deshalb den 911 Turbo der Baureihe 930 auf Flachbau-Optik um. Da ein Straßenauto weiterhin vollwertige Scheinwerfer brauchte und kompakte LED-Module damals noch Wunschdenken war, kamen Klappscheinwerfer zum Einsatz. Zwischen 1982 und 1989 entstanden 948 Fahrzeuge.
Heute gehören originale Werks-Flachbauten zu den seltensten und teuersten Varianten des 930. Außerdem gibt es zahlreiche späteren Umbauten aus freien Werkstätten.

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Ein GT2 RS mit den Genen dreier Rennwagen
Der neue Flachbau RS nimmt diesen Gedanken wieder auf, bedient sich allerdings gleich in mehreren Kapiteln der Porsche-Geschichte. Die flachen Vorderkotflügel, das U-förmige Element auf der Fronthaube und die weiße Grundfarbe erinnern an den 935/78. Die geschichteten LED-Scheinwerfer interpretieren die tief liegenden Leuchten des Rennwagens mit heutiger Technik.
Der riesige Heckflügel mit seinen S-förmigen Halterungen orientiert sich am 911 GT3 R rennsport von 2023. Die CFK-Aerodiscs an den Hinterrädern und Teile des aerodynamisch optimierten Unterbodens stammen aus dem Umfeld von Manthey. Als technische Basis dient ausgerechnet der 911 GT2 RS, auf dem bereits die 2018 vorgestellte Neuauflage des Porsche 935 beruhte.
Verantwortlich für das Design war Grant Larson. Das passt: Der inzwischen pensionierte Porsche-Designer zeichnete auch den modernen 935 von 2018 sowie zuvor unter anderem den Boxster der ersten Generation und den Carrera GT.

Drei Jahre Entwicklung für ein einziges Auto
Auf den ersten Blick könnte man den Flachbau RS für einen sehr aufwendigen Karosserieumbau halten. Porsche beschäftigte mit dem Projekt jedoch fast drei Jahre lang Spezialisten aus Design, Serienentwicklung, Motorsport, Sonderwunsch und Manthey.
Allein die flacheren Vorderkotflügel zogen zahlreiche Änderungen nach sich. Die Form des Tankdeckels und seine komplette Kinematik mussten angepasst werden. Für die Front entstand ein neuer Stoßfänger. Schmale Luftauslässe in den Kotflügeln lassen den Überdruck aus den Radhäusern entweichen. Das reduziert den Auftrieb an der Vorderachse und verbessert die Anströmung der nachfolgenden Karosserie.
Besonders aufwendig geriet das Lichtsystem. Fernlicht, Abblendlicht und Tagfahrlicht verteilen sich auf drei übereinanderliegende LED-Ebenen. Die Module für Fern- und Abblendlicht sind jeweils knapp vier Zentimeter hoch, das Tagfahrlicht bleibt sogar unter zwei Zentimetern. Mehr Flachbau geht mit einer Straßenzulassung derzeit kaum.
Damit Airbags, Karosseriestruktur und Beleuchtung weiterhin vorschriftsmäßig funktionieren, führte Porsche Crashsimulationen, Strukturanalysen, Lichtmessungen und CFD-Berechnungen durch. Der Heckflügel musste auf dem Hydropulser Erschütterungen überstehen und wurde zusätzlich mit Sandsäcken belastet. Selbst bei Porsche gehört offenbar ein Baumarktartikel gelegentlich zur Entwicklungsabteilung.
Insgesamt entstanden drei Versuchsträger. Das Erprobungsprogramm umfasste Fahrten auf dem Flugplatz Mendig, Dauerläufe in Weissach und 50 Runden auf der Nürburgring-Nordschleife. Insgesamt wurde der Heckflügel dabei so stark beansprucht, wie es laut Porsche rund 150.000 Kilometern im Kundenbetrieb entspricht.

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554 Kilogramm Abtrieb an der Hinterachse
Der dreifach verstellbare Heckflügel sitzt fünf Zentimeter höher als beim 911 GT3 R rennsport. In der High-Downforce-Stellung erzeugt der Flachbau RS bei seiner Höchstgeschwindigkeit von 340 km/h allein an der Hinterachse 554 Kilogramm Abtrieb.
Gegenüber einem 911 GT2 RS mit Manthey Kit steigt der Abtrieb hinten je nach Flügelposition um zwei beziehungsweise drei Prozent. Das klingt zunächst überschaubar. Bei einem aerodynamisch bereits weit entwickelten Auto zählt jedoch vor allem die Balance zwischen Vorder- und Hinterachse. Ein großer Flügel, der lediglich die Hinterachse auf den Asphalt presst, würde das Auto im schnellen Kurveneingang zunehmend untersteuern lassen. Deshalb gehören die neuen Kotflügel, der Frontsplitter, der Unterboden, der Diffusor und der Heckflügel zu einem abgestimmten Gesamtpaket.
Die Flügeleinstellung und sogar die Kennzeichnung ihrer Positionen ließ sich Porsche patentrechtlich schützen. Bei einem Auto, dessen Modellname bereits vorsorglich beim Patentamt landete, bleibt man offenbar konsequent.

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Die 700 PS bleiben
Am Antrieb wurde nichts verändert. Hinter der Hinterachse arbeitet weiterhin der 3,8 Liter große Biturbo-Boxer des GT2 RS mit 700 PS und 750 Newtonmetern. Über ein Siebengang-PDK gelangt die Leistung ausschließlich an die Hinterräder. Das ursprüngliche Serienmodell beschleunigte in 2,8 Sekunden auf 100 km/h und erreichte 340 km/h.
Der Besitzer hatte sich ursprünglich noch mehr Leistung gewünscht, doch im Verlauf der Entwicklung einigte man sich darauf, den Antrieb unverändert zu lassen. Der GT2 RS war bei seinem Erscheinen der stärkste Serien-Elfer und umrundete die Nürburgring-Nordschleife später in der von Manthey optimierten MR-Version in 6:40,3 Minuten.
Entscheidend war bei diesem Projekt ohnehin die Gewichts- und Aerodynamikarbeit. Obwohl bereits das Weissach-Paket rund 30 Kilogramm gegenüber dem normalen GT2 RS einspart, reduzierte Porsche das Gewicht des Einzelstücks um weitere 31,6 Kilogramm.

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Alles muss raus
Besonders gründlich wurde hinter den Sitzen aufgeräumt. Dämmmaterial, Teppiche und zahlreiche Verkleidungen verschwanden. Teile der weiß lackierten Metallstruktur liegen offen, ebenso der neu verlegte und um überflüssige Leitungen erleichterte Kabelbaum.
Auch das Porsche Communication Management und die komplette Audioanlage wurden ausgebaut und gegen ein lederbezogenes Ablagefach eingetauscht.
Die vorgeschriebenen Utensilien wie Warndreieck und Abschleppöse befinden sich in einer herausnehmbaren „Emergency-Box“. Für den Einsatz auf der Rennstrecke lässt sie sich mit einem Handgriff entfernen. Die Carbon-Schalensitze tragen eingestickte Flachbau-RS-Schriftzüge und die Kontur der Nordschleife. Eine goldfarbene Plakette auf der Beifahrerseite bestätigt den besonderen Status des Fahrzeugs: „Factory One-Off 2026 | Flachbau RS“.

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Das Bindeglied zwischen 911 und 935
Der moderne Porsche 935 von 2018 durfte nur auf abgesperrten Rennstrecken fahren. Der originale 935/78 war ohnehin ein reinrassiger Gruppe-5-Rennwagen. Der Flachbau RS überträgt deren Auftritt nun auf einen straßenzugelassenen 911 – mit einem Entwicklungsaufwand, den Porsche sonst für wesentlich größere Stückzahlen betreibt.
Über den Preis schweigt das Unternehmen. Nach drei Jahren Entwicklungszeit, drei Versuchsträgern und eigens gefertigten Karosserie-, Licht- und Aerodynamikteilen dürfte allerdings feststehen: Der Besitzer hätte sich für das Geld vermutlich auch mehrere gewöhnliche GT2 RS kaufen können. Er hätte dann nur keinen Moby Dick mit Nummernschild.
Fotos: Porsche































