Marsien GT: Aus dem Wüsten-Elfer wird ein 330-km/h-Gran-Turismo
2021 präsentierte Marc Philipp Gemballa mit dem Marsien einen 911-basierten Supersportwagen für Asphalt, Schotter und Sand. Fünf Jahre später folgt der Marsien GT: eine auf 30 Exemplare limitierte Straßenversion mit mindestens 830 PS und 330 km/h Höchstgeschwindigkeit. Der Preis für den Umbau liegt bei 770.000 Euro – netto und ohne Basisfahrzeug.
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Hinter dem Projekt steht Marc Philipp Gemballa, Sohn des 2010 verstorbenen Porsche-Veredlers Uwe Gemballa. Sein Unternehmen ist rechtlich und wirtschaftlich unabhängig von der heutigen Gemballa GmbH. Der erste Marsien entstand 2021 als Hommage an die Rallye-Versionen des Porsche 959. Sein Name leitet sich vom französischen Wort für „Marsmensch“ ab und soll auf die Wüstenlandschaften der Vereinigten Arabischen Emirate verweisen, in denen das Auto erprobt wurde.

Marsien GT/Foto: Marc Philipp Gemballa
Eine einfache Tieferlegung kam für Marc Philipp Gemballa offenbar nicht infrage. Rund 1.500 eigens entwickelte Komponenten sollen in jedem Fahrzeug stecken.
Die Karosserie besteht aus mehr als 100 Carbonteilen. Dazu gehören Luftkanäle, Außenspiegel, Radhausschalen und ein großes Heckelement, das sich von der A-Säule bis zum Flügel erstreckt. Nach Angaben des Herstellers wurden sämtliche Außenhautflächen überarbeitet. Gegenüber einem serienmäßigen Porsche 911 Turbo S der Generation 992 soll der Marsien GT 75 Kilogramm einsparen.
Verantwortlich für die Form ist der französische Designer Alan Derosier. Die Verwandtschaft zum 959 bleibt deutlich sichtbar, wird beim GT jedoch schärfer herausgearbeitet. Große Lufteinlässe, ausgestellte Kotflügel, eine Dachhutze und der weit nach hinten gezogene Flügel geben dem Auto einen deutlich aggressiveren Auftritt als beim geländegängigen Marsien.
Eine Besonderheit ist der zentral angeordnete Tankverschluss in der Fronthaube. Das sieht nach Rennwagen aus, soll laut Hersteller aber auch der Gewichtsverteilung und der Aerodynamik dienen.

Marsien GT/Foto: Marc Philipp Gemballa
In den vorderen Kotflügeln sitzen pneumatisch betätigte Lamellen. Sie lassen den Überdruck aus den Radhäusern entweichen und sollen dadurch Auftrieb und Verwirbelungen an der Vorderachse verringern. Auch der Heckflügel arbeitet aktiv. Er verändert seinen Anstellwinkel, erzeugt bei hohem Tempo zusätzlichen Abtrieb und dient beim Bremsen als Luftbremse.
Die Dachhutze führt Frischluft zu den Ladeluftkühlern. Separate Staudruckkanäle versorgen die Ansaugung, während Öffnungen in den Seitenschwellern Kühlluft zu den hinteren Bremsen leiten. Der Unterboden besteht vollständig aus Carbon und schließt mit einem großen Diffusor ab.

Marsien GT/Foto: Marc Philipp Gemballa
Das Fahrwerk entstand gemeinsam mit KW Automotive. An der Vorderachse kommt eine neu entwickelte Doppelquerlenker-Konstruktion zum Einsatz, hinten bleibt es bei einer Mehrlenkerachse. Elektronisch geregelte DDC-V5-Dämpfer passen Zug- und Druckstufe unabhängig voneinander an. Zwei elektromagnetische Ventile pro Dämpfer sollen innerhalb von 20 Millisekunden auf Veränderungen reagieren.
Im normalen Fahrbetrieb beträgt die Bodenfreiheit 100 Millimeter. Für Tiefgaragen, Rampen und Bodenwellen hebt ein Liftsystem die Vorderachse um weitere 60 Millimeter an. Damit verliert der Marsien zwar seine Wüstentauglichkeit, schafft aber immerhin die durchschnittliche Tiefgarageneinfahrten in Düsseldorf, München oder Hamburg.
Die geschmiedeten Zentralverschlussräder messen 20 Zoll vorn und 21 Zoll hinten. Aufgezogen werden Michelin Pilot Sport Cup 2 in den Formaten 275/35 ZR 20 und 335/30 ZR 21.

Marsien GT/Foto: Marc Philipp Gemballa
Die technische Basis bildet ein Porsche 911 Turbo beziehungsweise Turbo S der Generation 992. Ruf Automobile überarbeitet den aufgeladenen Sechszylinder-Boxer mit größeren VTG-Turboladern sowie angepasster Motor- und Getriebesteuerung. Das Ergebnis sind mehr als 830 PS und 930 Newtonmeter Drehmoment.
Für Kunden, die mehr Leistung benötigen, befindet sich eine zweite Leistungsstufe mit mehr als 900 PS in der Entwicklung. Der Marsien GT soll in 2,4 Sekunden auf 100 km/h beschleunigen und eine Höchstgeschwindigkeit von 330 km/h erreichen. Der Allradantrieb und das Doppelkupplungsgetriebe des Basisfahrzeugs bleiben erhalten.
Akrapovič liefert eine eigens entwickelte Titan-Abgasanlage mit vier Endrohren. Der ursprüngliche Marsien trug zwei große Auslässe, der GT zeigt nun ein klassischeres Vierrohr-Layout.

Marsien GT/Foto: Marc Philipp Gemballa
Im Cockpit fällt vor allem die angehobene Mittelkonsole auf. Sie orientiert sich am Porsche Carrera GT und trägt einen langen Aluminiumschalthebel. Ein Handschalter verbirgt sich darunter allerdings nicht: Geschaltet wird weiterhin über das PDK. Für den Knauf stehen neben Leder und Alcantara auch Carbon und Mahagoni zur Auswahl.
Das Präsentationsfahrzeug kombiniert dunkelgraues Alcantara mit Carbon-Schalensitzen, matten Carbonteilen und champagnerfarbenen Nähten, Gurten und Instrumenten. Die vierlagige Außenfarbe trägt den Namen „Anniversary Liquid Champagne Gold“. Sie wurde anlässlich des 70. Geburtstags von Uwe Gemballa entwickelt.

Marsien GT/Foto: Marc Philipp Gemballa
Vom Marsien GT sollen lediglich 30 Exemplare entstehen. Zusammen mit den 40 gebauten beziehungsweise geplanten Fahrzeugen des ursprünglichen Marsien wächst die Baureihe damit auf 70 Autos – passend zum 70. Geburtstag von Uwe Gemballa.
Der Umbau kostet 770.000 Euro netto. Steuern, Transport, Sonderausstattung und der benötigte Porsche 911 kommen hinzu. In Deutschland überschreitet der fertige Marsien GT damit problemlos die Millionengrenze.
Seine öffentliche Premiere feiert das Auto während der Monterey Car Week 2026. Anschließend soll es bei „The Quail“ und auf dem Concept Lawn des Pebble Beach Concours d’Elegance ausgestellt werden. Die Produktion beginnt 2027, die ersten Auslieferungen sind für Ende desselben Jahres vorgesehen. Dass die 30 Kunden mit 830 PS auskommen ist allerdings nicht zu erwarten, denn beim bisherigen Marsien bestellte laut Hersteller jeder Käufer die stärkere Motorversion.
Fotos: MARC PHILIPP GEMBALLA























