BMW Zagato Coupé und Roadster: Die zwei schönsten Z4, die nie in Serie gingen
Im Frühjahr 2012 brachte BMW den Z4 zu Zagato – und aus der Zusammenarbeit entstand eines der ungewöhnlichsten Concept Cars der Baureihe. Das Ergebnis stand im Mai beim Concorso d’Eleganza Villa d’Este am Comer See – tiefrot, handgefertigt und mit einem Dach, das sofort verriet, wer daran beteiligt gewesen war.
Das BMW Zagato Coupé war kein Ausblick auf das nächste Serienmodell und auch kein rollendes Messemodell ohne funktionierende Technik. BMW und Zagato bezeichneten den Wagen als „Vmax-Concept“: straßenzugelassen, aerodynamisch für hohe Geschwindigkeiten ausgelegt und tatsächlich fahrbereit. Drei Monate später folgte beim Concours d’Elegance in Pebble Beach die offene Variante.

BMW Zagato Roadster/Foto: BMW
Aus dem Z4 wurde wieder ein echtes Coupé
Unter dem italienischen Maßanzug steckt die Architektur des damaligen BMW Z4 der Baureihe E89. Das ist insofern bemerkenswert, als BMW den Z4 dieser Generation ausschließlich als Roadster mit versenkbarem Metallklappdach anbot. Zagato machte daraus wieder ein klassisches, geschlossenes Sportcoupé.
Und zwar auf traditionelle Weise. Die komplette Karosserie des Zagato Coupé entstand aus Aluminium und wurde von Hand über der vorhandenen Mechanik aufgebaut. Genau darin lag der Unterschied zu vielen Designstudien: Zagato veränderte nicht einfach Stoßfänger, Kotflügel und Dach. Der Z4 bekam eine neue Haut. BMW erklärte damals ausdrücklich, die Mechanik selbst sei nach klassischer Karosseriebauer-Tradition unangetastet geblieben.
Die Grundproportionen blieben trotzdem unverkennbar BMW: sehr lange Motorhaube, weit hinten sitzende Fahrgastzelle und Hinterradantrieb. Darüber legte Zagato seine eigenen Erkennungszeichen.
Am auffälligsten war das Double-Bubble-Dach, bei Zagato „Doppia Gobba“ genannt. Die beiden längs verlaufenden Wölbungen gehören seit Jahrzehnten zum Repertoire der Mailänder und hatten ursprünglich einen durchaus praktischen Hintergrund: Sie schufen über Fahrer und Beifahrer mehr Kopffreiheit, etwa für das Fahren mit Helm, ohne die gesamte Dachlinie anheben zu müssen.
Beim BMW Zagato Coupé gingen die beiden Wölbungen von der Motorhaube nahezu nahtlos in das Dach über und endeten in einem kurzen, steil abgeschnittenen Heck.

BMW Zagato Coupé/Foto: BMW
Ein BMW mit „z“ in der Niere
Auch vorne ließen die Designer keinen Zweifel daran, dass hier zwei Marken beteiligt waren. Die klassische BMW-Doppelniere blieb erhalten, ihr Innenleben bestand allerdings aus unzähligen kleinen Zagato-„z“. Seitliche Luftauslässe, zwei Öffnungen in der Motorhaube und ein sehr tief heruntergezogener Vorderwagen machten aus dem vergleichsweise eleganten Serien-Z4 einen deutlich aggressiveren Sportwagen.
Interessant ist vor allem das Heck. Zagato griff dort das Prinzip des Kamm-Hecks auf – also einer Karosserieform, deren Heck aerodynamisch günstig abrupt endet. Sowohl BMW als auch Zagato hatten damit bereits Jahrzehnte zuvor experimentiert. BMW unter anderem mit dem 328 Kamm Coupé von 1940, Zagato später mit verschiedenen Alfa Romeo.
Das Zagato Coupé brauchte deshalb nach Aussage seiner Entwickler keine aufgesetzten aerodynamischen Hilfsmittel. Statt eines großen Flügels erledigte die Karosserie selbst die Arbeit.
Darunter saßen ein großer Diffusor und weit außen positionierte Auspuffendrohre. 19-Zoll-Räder im Fünfspeichendesign erinnerten bewusst an Flugzeugpropeller – eine Anspielung auf die Luftfahrtgeschichte sowohl von BMW als auch von Zagato-Gründer Ugo Zagato.
Und dann war da noch die Farbe.
Rosso Vivace bestand keineswegs aus einer simplen Lage roten Lacks. Zunächst kamen Schwarz und metallisches Silber auf die Karosserie, darüber sechs dünne Schichten des eigens entwickelten Rottons sowie zwei Schichten Klarlack. Je nach Licht konnte das Coupé dadurch beinahe schwarz oder leuchtend rot erscheinen.

BMW Zagato Roadster/Foto: BMW
Dann beschlossen BMW und Zagato: Dach wieder runter
Die Resonanz auf das Coupé fiel offenbar gut genug aus, dass BMW-Designchef Adrian van Hooydonk und Andrea Zagato praktisch sofort über eine zweite Version nachdachten.
Diesmal entstand tatsächlich wieder ein Roadster.
Und nun wurde es sportlich, zumindest beim Zeitplan: Zwischen der ersten Designidee und dem fertigen BMW Zagato Roadster lagen lediglich sechs Wochen. Seine Premiere fand im August 2012 in Pebble Beach statt.
Einfach beim Coupé das Dach abzusägen hätte allerdings kaum dem Anspruch eines Unternehmens entsprochen, das seit 1919 Sonderkarosserien baut. Der Roadster erhielt deshalb einen eigenständigen Heckbereich.
Die Front übernahm weitgehend die Gestaltung des Coupés – inklusive tiefer Doppelniere mit den kleinen Zagato-Zeichen, Motorhaubenöffnungen und der markanten Frontschürze. Ab der Windschutzscheibe ging der offene Wagen jedoch seinen eigenen Weg.

BMW Zagato Roadster/Foto: BMW
Die Double Bubble wanderte nach unten
Das wichtigste Zagato-Merkmal durfte natürlich auch einem offenen Auto nicht fehlen. Mangels Dach verlegten die Designer die berühmte Doppia Gobba kurzerhand auf die Verdeckabdeckung hinter den Sitzen.
Davor standen zwei ungewöhnlich niedrige Überrollbügel. Ihre Form orientierte sich laut Zagato an einem Flugzeugflügel und verband damit erneut die automobile Gestaltung mit der Luftfahrtgeschichte des Unternehmens. Zusammen mit dem flacheren Heck wirkte der Roadster etwas eleganter als das kompakte und deutlich massiver auftretende Coupé.
Auch die Farbgebung schlug eine andere Richtung ein. Statt Rosso Vivace erhielt der Roadster einen tiefen grauen Metallicton, der je nach Lichteinfall zwischen Dunkelgrau und hellem Silber wechselte. Das braune Leder des Innenraums zog sich bis über Türbrüstungen und Überrollbügel und bildete damit fast einen Rahmen um das offene Cockpit.
Die kleinen Zagato-„z“ fanden sich selbstverständlich auch hier wieder – unter anderem eingestickt in den Sitzen.

BMW Zagato Coupé/Foto: BMW
Und was steckte unter der langen Haube?
BMW hielt sich bei beiden Autos auffällig zurück. Offizielle Leistungs- oder Beschleunigungswerte wurden nicht veröffentlicht.
Zeitgenössische Medienberichte identifizierten den Z4 sDrive35is als technische Basis. Dessen 3,0-Liter-Reihensechszylinder mit Turboaufladung leistete serienmäßig 340 PS. Verschiedene Medien berichteten damals von rund 400 PS für die Zagato-Fahrzeuge; BMW selbst bestätigte diese Zahl jedoch nicht.
Viel wichtiger war ohnehin ein anderer Punkt: Beide Autos waren keine bloßen Stylingmodelle. Das Coupé wurde auf der BMW-Teststrecke erprobt, der Roadster ebenfalls ausdrücklich für das Fahren bei hohen Geschwindigkeiten ausgelegt.

BMW Zagato Roadster/Foto: BMW
Zwei Einzelstücke – und dann war Schluss
Eine Serienversion gab es anschließend nicht. Coupé und Roadster blieben Einzelstücke.
Gerade das macht die beiden BMW Zagato heute interessant. Der E89 war bereits einer der ungewöhnlicheren Z4: klassischer Frontmotor, Hinterradantrieb, Reihensechszylinder und gleichzeitig ein aufwendiges Metallklappdach. Zagato reduzierte dieses Konzept wieder auf zwei archetypische Sportwagenformen – geschlossenes Coupé und offener Roadster – und entwarf dafür jeweils eine komplett neue Aluminiumkarosserie.
Das Coupé debütierte im Mai 2012 an der Villa d’Este. Im August stand sein offener Bruder in Pebble Beach. Dazwischen lagen nicht einmal drei Monate. Mehr Zagato gab es bei BMW danach nicht.
Eigentlich schade. Denn gerade das Coupé beantwortete schon 2012 eine Frage, die BMW selbst bei dieser Z4-Generation nie beantwortete: Wie hätte ein echtes Z4 Coupé aussehen können? Zagatos Antwort darauf sieht auch vierzehn Jahre später erstaunlich überzeugend aus.
Fotos: BMW


























