Aston Martin Dreadnought: Mit V12 in den digitalen Krieg
Aston Martin baut einen gepanzerten Geländewagen für „Call of Duty: Modern Warfare 4“. Allerdings nur virtuell. Der Dreadnought verbindet britischen Luxus, militärische Panzerung und einen V12-Motor – und zeigt, was Designer entwerfen, wenn weder Zulassungsbehörden noch Kostenrechner im Raum sitzen.
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Gebaut wird er trotzdem nicht. Jedenfalls nicht für die Straße.
Der Dreadnought ist ein rein digitales Fahrzeug, das Aston Martin gemeinsam mit Infinity Ward und Activision für „Call of Duty: Modern Warfare 4“ entwickelt hat. Im Spiel soll der gepanzerte Allradler unter anderem in den Modi DMZ und Warzone auftauchen. Dort wartet er an ausgewählten Orten auf Spieler, die lieber mit zwölf Zylindern als zu Fuß ins nächste Gefecht ziehen.

Aston Martin-Dreadnough/ Bilder: Aston Martin
Entworfen wurde das Fahrzeug vom Aston-Martin-Designteam. Die Aufgabe dürfte spaßig gewesen sein: keine Crashtests, keine Fußgängerschutzvorgaben, keine Abgasgrenzwerte und kein Controller, der wissen möchte, ob sich die goldfarbenen Türscharniere wirklich rechnen.
Entsprechend frei fällt das Ergebnis aus. Der Dreadnought ist ein großer, kantiger Performance-SUV mit breiten Radhäusern, massiver Bodenfreiheit und einer Karosserie, die deutlich macht, dass Parkrempler hier das geringste Problem darstellen. Militärische Panzerplatten treffen auf aerodynamisch ausgearbeitete Flächen und jene Proportionen, mit denen Aston Martin den Entwurf trotz aller Eskalation als Mitglied der eigenen Modellfamilie erkennbar halten will.
Die Lackierung trägt den Namen Chiltern Green, ein klassischer Aston-Martin-Farbton. Dazu kommen sichtbare Carbonstrukturen mit Fischgrätmuster, Bauteile in satiniertem Gold und zahlreichen Details.

Aston Martin-Dreadnough/Bilder: Aston Martin
Im Innenraum bleibt Aston Martin der eigenen Vorstellung von Luxus treu. Armaturenbrett und Türverkleidungen sind mit Leder in Oxford Tan bezogen, der Schalthebel glänzt metallisch-golden. Daneben finden sich digitale Kommandoanzeigen, taktische Systeme und speziell vorgesehene Stauräume für Waffen.
Auch zusätzliche Kraftstofftanks gehören zum Konzept.
Angetrieben wird der Dreadnought von einem V12-Motor. Das dürfte weniger mit militärischer Vernunft als mit akustischer Wirkung zu tun haben. Ein leise surrendes Einsatzfahrzeug wäre taktisch sinnvoller, würde aber deutlich weniger nach Aston Martin klingen.
Der Hersteller verspricht Supersportwagen-Performance, aggressiven Allradantrieb und ein Fahrverhalten, das innerhalb der Spielwelt glaubwürdig bleiben soll. Infinity Ward entwickelte dafür nicht nur die äußere Form weiter, sondern auch Animationen, Fahrzeuggeometrie, Physik und Antriebseigenschaften.

Aston Martin-Dreadnough/Bilder: Aston Martin
„Dreadnought“ lässt sich sinngemäß mit „Fürchte nichts“ übersetzen. Der Name erinnert außerdem an die britische HMS Dreadnought, die 1906 in Dienst gestellt wurde. Das Schlachtschiff war mit seiner Bewaffnung und seinem Dampfturbinenantrieb derart fortschrittlich, dass sein Name anschließend für eine ganze Generation schwerer Kriegsschiffe stand.
Für einen gepanzerten Aston Martin ist das ein naheliegender Bezug. „DBX Tactical Edition“ hätte eher nach einem Ausstattungspaket mit schwarzen Felgen geklungen.
Aston-Martin-Designchef Marek Reichman beschreibt den Dreadnought als einen Aston Martin, dessen Eigenschaften ohne Rücksicht auf reale Grenzen verstärkt wurden. Das Team habe sich das Fahrzeug bewusst auch außerhalb der Spielwelt vorgestellt: auf den Straßen von New York, auf regenüberfluteten Strecken in Asien und in weiteren extremen Umgebungen.
Dieser Ansatz erklärt, warum der Dreadnought nicht wie ein beliebiges Fantasiefahrzeug mit Aston-Martin-Emblem wirken soll. Selbst Türscharniere, Carbonchassis und Oberflächenstrukturen wurden detailliert ausgearbeitet. Das Fahrzeug soll innerhalb des Spiels glaubwürdig funktionieren und zugleich genügend bekannte Markenelemente tragen.

Aston Martin-Dreadnough/Bilder: Aston Martin
Hinter dem Projekt steckt mehr als eine Designübung. Aston Martin möchte mit dem Dreadnought jüngere Zielgruppen erreichen, die mit der Marke zuerst auf dem Bildschirm in Berührung kommen. Der Hersteller spricht von einer Erweiterung seiner Luxusstrategie in die Spielewelt.

Aston Martin-Dreadnough/Bilder: Aston Martin
Ganz digital bleibt das Fahrzeug allerdings nicht. Bei seiner Premiere auf dem Fanatics Fest in New York zeigt Aston Martin ein Modell in Originalgröße am Stand von „Call of Duty“. Es besitzt zwar keinen einsatzfähigen V12 und dürfte auch nicht über militärische Panzerung verfügen, liefert aber zumindest eine Antwort auf die wichtigste Frage: Wie ein könnte ein Martin aussehen, wenn ihm die Realität einmal vollständig aus dem Weg ginge?
Ziemlich genau so.
Bilder: Aston Martin

























