Samurai, Capri, Valhalla: Die besten Modellnamen der Autogeschichte
Es gab einmal eine Zeit, da hießen Autos nicht wie WLAN-Router. Sie hießen Capri, Samurai, Testarossa oder Manta. Namen, die Bilder im Kopf erzeugten, bevor überhaupt ein Motor gestartet wurde. Man musste nicht wissen, ob ein Auto 75, 150 oder 612 PS hatte. Der Name reichte, um eine Richtung vorzugeben.
Heute ist das schwieriger. Viele Modellbezeichnungen klingen mehr nach Excel-Tabelle: EQE SUV, bZ4X, iX, ID.7, C10. Alles vermutlich sinnvoll, alles markenstrategisch sauber, alles suchmaschinenfreundlich – und maximal emotionslos. Wir haben uns auf die Suche nach den besten Modellnamen gemacht. Hier ist die Liste:

Suzuki Samurai/Foto: Suzuki
Suzuki Samurai
Der Suzuki Samurai ist ein gutes Beispiel dafür, wie ein Name ein Auto größer machen kann, als seine Abmessungen vermuten lassen. Technisch war der kleine Geländewagen kein martialisches Monster, sondern ein kompakter, einfacher Kraxler mit Leiterrahmen, zuschaltbarem Allradantrieb und einer Karosserie, die ungefähr so viel Knautschzone besaß wie ein Gartenstuhl aus Metall. Aber Samurai? Das sitzt. Der Name Samurai war übrigens Export-Magie. In Japan hießen die Fahrzeuge immer Jimny.

Ford Capri 1969/Foto: Ford
Ford Capri
Ford Capri ist einer dieser Namen, die sofort funktionieren. Capri klingt nach Sonne, Urlaub, Italien, Meer, Schlaghosen und einem Parkplatz vor der Eisdiele. Passenderweise sah auch das Auto mit seiner langen Haube, flachen Linie und dem Coupé-Heck nach Flucht aus dem Alltag aus. Nach einer, die bezahlbar war und am Montag wieder auf dem Firmenparkplatz endete. Doch das Versprechen war da. Man musste nur einsteigen und den Schlüssel drehen.

Volkswagen Scirocco/Foto: Volkswagen
Volkswagen Scirocco
VW hat bei Modellnamen oft ein sehr gutes Händchen gehabt. Golf, Passat, Jetta, Bora, Scirocco – das ganze Wetter- und Windregal wurde einmal durchsortiert. Aber Scirocco ist der stärkste Name davon.
Ein Scirocco ist ein warmer Wüstenwind aus der Sahara. Schon das klingt für einen Volkswagen fast unanständig leidenschaftlich. Wolfsburg, nüchterne Ingenieure, Spaltmaßdisziplin – und dann plötzlich Scirocco. Der Name verleiht dem kompakten Coupé eine Exotik, und machte ihn zu mehr als einem flacheren Golf. Er gab dem Scirocco etwas, das man in Wolfsburg nicht immer serienmäßig bekam: eine eigene Aura.

1967 Alfa Romeo Giulia Sprint GT Veloce/Foto: RM Sotheby´s
Alfa Romeo Giulia
Man sagt nicht einfach „Giulia“. Man sagt „Dschuuliaaaah“ und klingt dabei, als würde man einer vergangenen Affäre hinterhertrauern, während man an einem wackeligen Stehtisch einen Espresso trinkt. Keine Zahl, keine Klasse, kein technischer Hinweis. Nur ein Vorname, der nach Begegnung klingt — und nach ganz großer Liebe. Vielleicht sogar für immer.

Diablo GT/ Foto: Lamborghini
Lamborghini Diablo
Der Diablo musste 1990 den Countach ersetzen. Kein leichtes Erbe. Mit V12, über 300 km/h Spitze und einer Breite wie ein Garagentor war er eine Ansage. Der Name auch. Doch der Aufschrei blieb aus, weil es eben Sitte war, Autos nach Kampfstieren zu benennen. Andere Hersteller hätten so einen Namen vermutlich in der Rechtsabteilung beerdigt. In Sant’Agata schrieb man ihn einfach auf die Heckblende.

Aston Martin Valhalla/Foto: Aston Martin
Aston Martin Valhalla
Aus deutscher Sicht wirkt dieser Namen herrlich überdimensioniert. Wo andere Hersteller ihre Sportmodelle mit Buchstaben, Zahlen und Leistungsstufen sortieren, greift Aston Martin gleich in die nordische Mythologie. Mehr Pathos geht nicht.

Ferrari Testarossa
Ferrari Testarossa
Testarossa ist ein Name, der eigentlich gar nicht viel erklären muss. Er klingt nach Ferrari, bevor man Ferrari überhaupt sagt. „Roter Kopf“ bezieht sich historisch auf rot lackierte Ventildeckel, aber im kollektiven Gedächtnis wurde daraus mehr: breite Hüften, seitliche Lamellen, Miami-Vice-Ästhetik und Achtzigerjahre im Querformat.
Der Testarossa ist ein Beispiel dafür, wie ein technischer Bezug zu einem Mythos werden kann. Das ist selten. Viele technische Begriffe bleiben im Maschinenraum hängen. Testarossa aber wanderte vom Motor direkt ins Popkultur-Gedächtnis. Mehr kann ein Modellname kaum leisten.

Dodge Viper GTS Final Edition/Foto: RM Sotheby´s
Dodge Viper
Dodge Viper ist brutal einfach. Zwei Wörter, ein Bild: giftige Schlange, kurzer Angriff, danach ist Ruhe. Der Name musste nichts erklären, weil jeder sofort verstand, was gemeint war.
Zum Auto passte das ziemlich genau. Die Viper war kein fein austariertes Präzisionsgerät nach europäischer Art, sondern hatte einen langen Vorderwagen und einen riesigen V10. Sie war grob, stark, direkt und ein bisschen gefährlich — also ziemlich genau das, was ein Name wie Viper verspricht.
In Deutschland hatte die Viper immer etwas Exotisches. Nicht Ferrari-exotisch, eher „Warum ist das legal?“-exotisch. Auch das ist eine Qualität.

Ford Mustang GT Fastback 1967/Foto: Ford
Ford Mustang
Mustang ist vielleicht der Beweis, dass ein Name irgendwann größer werden kann als das Auto selbst. Der wilde amerikanische Mustang steht für Freiheit, Weite, Bewegung.
Der Ford Mustang war nie nur ein Coupé. Er war ein kulturelles Signal. In Deutschland wirkte er lange wie ein Stück Amerika auf vier Rädern: großer Motor, lange Haube, bezahlbarer Traum, leichter Hang zur Übertreibung.

Opel Manta/Foto: Opel
Opel Manta
Der Opel Manta ist ein Sonderfall. Der Name ist eigentlich stark: ein Manta ist elegant, flach, dynamisch. Für ein sportliches Coupé also keine schlechte Idee. In Deutschland wurde daraus allerdings mehr als ein Modellname. Es wurde eine Sozialstudie mit Fuchsschwanz.
Als 1988 der letzte Manta B vom Band lief, war das Image schon angezählt: Tuning, Fuchsschwanz, Proll-Klischee, Ruhrpott-Folklore. Ab 1989 und Anfang der Neunziger explodierte das Ganze dann endgültig zur Mantawitz-Welle. Der Name war da längst mehr als ein Modellname. Er war eine Pointe auf Rädern.

Toyota BJ40 Land Cruiser/Foto: RM Sotheby´s
Toyota Land Cruiser
Land Cruiser ist kein Name, sondern eine Arbeitsanweisung. Land. Cruisen. Fertig. Der Name verspricht keine Lifestyle-Illusion, sondern Reichweite, Robustheit und das beruhigende Gefühl, dass ein Land Cruiser auch dann noch fährt, wenn die Straße längst aufgegeben hat.

Lancia Aurelia, B24, 1955/Foto: RM Sotheby´s
Lancia Aurelia
Lancia Aurelia klingt wie ein Name aus einer Zeit, in der Autos noch von Menschen benannt wurden, die Latein zumindest schön fanden. Aurelia hat Eleganz, Geschichte und Würde. Es ist ein schöner Name auf einem schönen Auto.
Lancia konnte das einmal sehr gut. Aurelia, Flaminia, Fulvia, Flavia – das klingt wie eine italienische Familienfeier, bei der jeder Gast besser angezogen ist als man selbst.

Opel Kapitän (1958/59)/Foto: Opel
Opel Kapitän
Der Kapitän war über Jahrzehnte Opels repräsentative Baureihe: groß, bequem, bürgerlich selbstbewusst. Kein Rolls-Royce aus Rüsselsheim, sondern ein Auto für Menschen, die angekommen waren. Fabrikant, Arzt, Hotelier.
Kapitän klingt nach Chrom, Stoffpolster, Wirtschaftswunder und wirkt heute stärker als moderne Luxuslabel.

AMC Gremlin X, 1972/Foto: RM Sotheby´s
AMC Gremlin
Gremlin klingt nach technischem Störenfried, nach kleiner Bosheit, nach etwas, das im Flugzeugkabel wohnt und Ärger macht.
Für ein Auto ist das eigentlich eine gewagte Idee. Andererseits passte der Name wunderbar zu einem Wagen, der schon optisch nicht so tat, als habe ihn ein italienischer Maestro bei Sonnenuntergang gezeichnet. Nicht jeder gute Modellname muss schön sein. Manche müssen nur hängen bleiben.






