Renault räumt Schatzkammer auf: 100 Jahre Technikgeschichte unter dem Hammer
Renault trennt sich von Teilen seines eigenen Gedächtnisses: Erstmals gibt der Hersteller Fahrzeuge aus seiner normalerweise geschlossenen Werksammlung frei und versteigert rund 100 Exponate, die bislang ausschließlich im internen Bestand geführt wurden. Die Auktion in Flins-sur-Seine ist kein Ausverkauf, sondern eine gezielte Neuordnung – das neue Markenmuseum, das 2027 eröffnet, soll konzentrierter und ikonischer werden. Alles, was doppelt vorhanden ist oder nicht in die künftige Ausstellung passt, wechselt jetzt in private Hände.
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Für Sammler öffnet sich kein Nostalgiealbum, sondern ein technisches Labor: Funktionsfahrzeuge, Einsatzwagen, experimentelle Konzepte und Modelle, die zeigen, wie breit Renaults Einfluss tatsächlich war: vom frühen Automobilbau über Le-Mans-Langstreckenversuche bis zur Turbo-Revolution der Formel 1. Zwischen den Exponaten liegen fast 130 Jahre Entwicklung – von handgefertigten Holzrahmen bis zum Kohlefaser-Monocoque. Und gerade weil Renault einige Modelle mehrfach besitzt, tauchen hier Fahrzeuge auf, die man normalerweise nicht zu sehen bekommt.
Für Sammler ist die Auktion eine seltene Gelegenheit, ein Stück Industrielogik mitzunehmen: Autos, die nicht gebaut wurden, um begehrt zu sein, sondern um etwas auszuprobieren – Geschwindigkeit, Konstruktion, Aerodynamik, neue Wege. Manche dieser Versuche wurden zu Erfolgen, andere zu Legenden, wieder andere zu Fußnoten, die heute spannender sind als damals. Zusammen ergeben sie ein Panorama französischer Ingenieurskultur: pragmatisch, erfinderisch, manchmal eigensinnig – aber immer überraschend konsequent.
Kurz gesagt: Renault verkauft nicht einfach Autos. Renault verkauft Entwicklungswege. Und genau das macht diese Auktion so ungewöhnlich.
Alle Fotos: © Peter Singhof / Artcurial Motorcars
















