Dodge Hemi Charger Concept Car
Wer beim Namen Dodge Charger an ein breites Coupé mit Fastback-Dach und gewaltigem V8 denkt, landet automatisch beim Serienmodell von 1966 oder seinen berühmten Nachfolgern. Die Geschichte des Namens begann jedoch zwei Jahre früher – mit einem Auto, das mit dem späteren Charger erstaunlich wenig gemeinsam hatte.
Der Dodge Hemi Charger, der 1964 der Öffentlichkeit präsentiert wurde, war ein offener Zweisitzer. Basis war ein serienmäßiger Dodge Polara, der nach dem Umbau allerdings nicht mehr wiederzuerkennen war. Dodge wollte ein Showcar, das den damals neuen 426-Hemi-Rennmotor angemessen in Szene setzte.
Dafür wurde der Polara gründlich zerlegt und umgestaltet. Die Stoßfänger verschwanden, die Front erhielt einen breiten dunklen Kühlergrill und auf der Motorhaube saß eine große funktionale Lufthutze. Mit einer Höhe von nur 1,22 Metern lag der Charger ungewöhnlich flach auf der Straße.
Besonders auffällig waren die beiden verchromten Öffnungen unmittelbar hinter den Türen. Sie gehörten zu einer Abgasanlage, bei der sich der Auspuff an den regulären Schalldämpfern vorbeileiten ließ. Wurden die Klappen geöffnet, blies der Charger seine Abgase praktisch direkt hinter den Passagieren auf die Straße.
Dazu kamen Halibrand-Leichtmetallräder mit schmalen Weißwandreifen und eine niedrige, umlaufende Windschutzscheibe. Alle Änderungen zusammen sorgten für einen Look, den man am ehesten mit „überdimensionierter Sport-Roadster“ beschreiben könnte.

Dodge Hemi Charger Concept Car, 1964/Fotos: RM Sotheby´s
Auch vom Innenraum des Polara blieb kaum etwas übrig. Dodge machte aus dem mehrsitzigen Serienwagen einen reinen Zweisitzer mit stark voneinander getrennten Fahrer- und Beifahrerbereichen.
Hinter den Sitzen gab es einen charakteristischer Bügel, in den die Kopfstützen integriert waren. Im Dreispeichenlenkrad war Holz verbaut, ebenso am Schalthebel und am Haltegriff für den Beifahrer. Ein großer Stewart-Warner-Drehzahlmesser mit einer Skala bis 8.000 Touren unterstrich den sportlichen Anspruch des Showcars, denn der Charger war vor allem als rollende Verpackung für eine technische Neuheit gedacht. Unter seiner riesigen Motorhaube sollte Chryslers neuer 426 Cubic Inch großer Hemi-V8 sitzen. Sollte.

Dodge Hemi Charger Concept Car, 1964/Fotos: RM Sotheby´s
1964 war der 426 Hemi noch kein Straßenmotor. Chrysler hatte das Triebwerk für den Rennsport entwickelt, und die frühen Aggregate waren entsprechend rar. Nur eine kleine Zahl der Motoren wurde von Hand aufgebaut. Einer davon war für den neuen Charger vorgesehen. Als ein Rennteam Ersatz für einen beschädigten Hemi benötigte, gab Chrysler dem Motorsport Vorrang.
Dodge stand damit kurz vor der Präsentation eines Autos, dessen Name und Embleme einen 426 Hemi versprachen, für das aber kein 426 Hemi mehr verfügbar war.
Also blieb der 383-Cubic-Inch-V8 des Polara im Wagen. Der 6,3-Liter-Motor leistete rund 305 hp und war keineswegs schwach. Neben dem neuen Renn-Hemi wirkte er allerdings deutlich weniger spektakulär. Die 426-Schriftzüge blieben trotzdem am Auto. Und so tourte schließlich ein Dodge Hemi Charger ohne den dazugehörigen Hemi durch die Automobilausstellungen und Händlerveranstaltungen der U.S.A.

Dodge Hemi Charger Concept Car, 1964/Fotos: RM Sotheby´s
Wie viele amerikanische Showcars jener Zeit war auch dem Charger kein langes Leben zugedacht. Nach rund einem Jahr im Rampenlicht verschwand das Einzelstück aus dem offiziellen Dodge-Auftritt und gelangte schließlich in private Hände. Das, jedoch, rettete das Auto vor einem Schicksal, das zahlreiche Concept Cars dieser Epoche ereilte. Viele wurden nach ihrer Karriere schlicht zerlegt oder verschrottet.
Der Charger überlebte zwar, wurde im Laufe der Jahre allerdings stark verändert und verschwand schließlich für Jahrzehnte weitgehend aus der Öffentlichkeit.
Ende der 1990er-Jahre gelangte das Auto zum amerikanischen Concept-Car-Sammler Joe Bortz. Der ließ den Charger von Restaurator Fran Roxas aufwendig wiederherstellen. Dabei entstand die Idee, eine Sache nachzuholen, die Dodge 1964 nicht geschafft hatte: Der Charger sollte endlich seinen Hemi bekommen.

Dodge Hemi Charger Concept Car, 1964/Fotos: RM Sotheby´s
Für die Suche nach einem passenden Aggregat wurde Hemi-Spezialist John Arruzza hinzugezogen. Ein gewöhnlicher späterer 426 kam für das Projekt nicht infrage, also machten sich die Spezialisten auf die Suche nach einem jener extrem frühen Rennmotoren, der eigentlich für den Wagen geplant waren und fanden tatsächlich einen passenden Ersatz: das 13. Exemplar der damaligen Serie mit dem Gussdatum vom Oktober 1963.
Dazu kamen zeitgenössische NASCAR-Zylinderköpfe, eine passende Magnesium-Ansaugbrücke und ein Holley-Vierfachvergaser. Zahlreiche weitere Komponenten waren Original- oder NOS-Teile. Im Inneren kamen bei der Überholung moderne Bauteile zum Einsatz.

1972er Dodge Charger/ Foto Stellantis
Der Charger von 1964 stammt aus einer Phase, in der sich die amerikanische Autoindustrie gerade auf jene Leistungsschlacht vorbereitete, die wenige Jahre später in der klassischen Muscle-Car-Ära ihren Höhepunkt finden sollte. Der erste Serien-Charger erschien erst zum Modelljahr 1966. Er war ein geschlossenes Fastback-Coupé und sah völlig anders aus.
Fotos: RM Sotheby´s



















