Lamborghini Fenomeno Roadster: 1080 PS, kein Dach
Lamborghini hat den Fenomeno Roadster vorgestellt. 15 Exemplare sind geplant, jedes davon mit V12-Hybridantrieb, 1080 PS Systemleistung und der ziemlich klaren Ansage, der stärkste offene Lamborghini aller Zeiten zu sein.
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Der Fenomeno Roadster basiert auf dem Fenomeno Coupé, das 2025 vorgestellt wurde. Weil die offene Version bis zu 340km/h fährt, reicht es nicht, einfach Dach abzusäbeln und zwei Höcker hinter die beiden Sitze zu dengeln. Luftführung, Torsionssteifigkeit, Motorkühlung, Verwirbelungen im Cockpit, Überrollschutz: Das sind alles Dinge, die berücksichtigt werden müssen.
Deshalb wurden die oberen Karosserieflächen für den Roadster neu gezeichnet. Ein zusätzlicher Spoiler an der Windschutzscheibe lenkt den Luftstrom über das Cockpit hinweg und weiter in Richtung Motorraum. Das neue Aerodynamikpaket soll Abtrieb, Stabilität und Balance möglichst nah am Coupé halten, gleichzeitig aber auch Antrieb und Bremsen kühlen und die Turbulenzen im Cockpit reduzieren.

Lamborghini Fenomeno Roadster/Foto: Lamborghini
Optisch bleibt der Fenomeno Roadster ein Lamborghini aus der aktuellen Centro-Stile-Schule: flach, kantig, sechseckig, mit Y-Motiven und einem Heck, das eher nach Langstrecken-Prototyp als nach Boulevard-Roadster aussieht. Die Speedster-Höcker hinter den Sitzen nehmen die Carbon-Überrollstruktur auf und verlängern die Silhouette nach hinten.
Hinter den Sitzen arbeitet ein 6,5-Liter-V12-Saugmotor mit 835 PS bei 9250 U/min und 725 Newtonmetern bei 6750 U/min. Dazu kommen drei Elektromotoren: zwei an der Vorderachse und einer am Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe. Zusammen ergibt das 1080 PS Systemleistung. Der Fenomeno Roadster beschleunigt laut Lamborghini in 2,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h, in 6,8 Sekunden auf 200 km/h und läuft über 340 km/h.

Lamborghini Fenomeno Roadster/Foto: Lamborghini
Interessant ist dabei weniger die reine Zahl, sondern die Art, wie Lamborghini den V12 in die Gegenwart rettet. Der Fenomeno Roadster ist der erste offene V12-Hybrid-HPEV der Marke. Der große Sauger bleibt Mittelpunkt des Fahrzeugs, die Elektromotoren ergänzen ihn dort, wo klassische Verbrenner an Grenzen stoßen: Ansprechverhalten, Torque Vectoring, Rekuperation, elektrische Vorderachse. Dazu kommt eine 7-kWh-Lithium-Ionen-Batterie, die einen rein elektrischen Fahrmodus ermöglicht.
Das Chassis basiert auf der sogenannten Monofuselage-Struktur, die man bereits vom Revuelto kennt. Lamborghini kombiniert ein Carbon-Monocoque mit einer Frontstruktur aus Forged Composite. Beim Roadster ist das besonders wichtig, weil das Dach als tragendes Element entfällt. Laut Lamborghini erreicht der offene Fenomeno ein ähnliches Maß an Steifigkeit wie das Coupé, bei nur wenigen Kilogramm Mehrgewicht.

Lamborghini Fenomeno Roadster/Foto: Lamborghini
Beim Fahrwerk geht Lamborghini ebenfalls in Richtung Rennstrecke. Der Fenomeno Roadster bekommt manuell einstellbare Rennstoßdämpfer, mit denen sich Fahrzeughöhe und Abstimmung anpassen lassen. Dazu passt auch die CCM-R-Plus-Carbon-Keramik-Bremsanlage. Die Scheiben nutzen eine dreidimensionale Struktur aus langen Carbonfasern in einer Carbonmatrix, dazu eine spezielle Beschichtung für Haltbarkeit und stabilen Reibwert.
Bei der Fahrdynamik setzt Lamborghini auf einen 6D-Sensor nahe am Fahrzeugschwerpunkt. Er misst Beschleunigung und Winkelgeschwindigkeit auf allen drei Achsen und liefert dem System Daten über Fahrzeugbewegung, Schlupfwinkel und Reibwert. Das ist zentral für moderne Supersportwagen. Leistung allein ist inzwischen billig geworden. Entscheidend ist, wie schnell das Auto versteht, was gerade passiert.

Lamborghini Fenomeno Roadster/Foto: Lamborghini
Die Reifen kommen von Bridgestone und wurden eigens für das Auto entwickelt. Serienmäßig stehen Potenza Sport in 265/30 ZRF21 vorn und 355/25 ZRF22 hinten bereit, auf Wunsch auch mit Run-Flat-Technologie. Für den Einsatz auf der Rennstrecke gibt es zusätzlich straßenzugelassene Semi-Slicks.
im Innenraum gibt´s Carbon, Dinamica-Corsatex, Carbon Skin, drei digitale Displays, hexagonale Grafiken, haptische Tasten und Schalter, die an das Cockpit eines Jets erinnern. Man kann darüber lächeln, aber Lamborghini beherrscht diese Inszenierung besser als fast jeder andere Hersteller.

Lamborghini Fenomeno Roadster/Foto: Lamborghini
Die präsentierte Lackierung in Blu Cepheus mit Rosso-Mars-Akzenten verweist auf den Miura Roadster von 1968 und zugleich auf die Farben Bolognas. Während der Miura Roadster nie in Serie ging ist der Fenomeno Roadster real, wenn auch nur für 15 Kunden. V
Damit steht der Fenomeno Roadster in einer klaren Linie. Reventón Roadster, Veneno Roadster, Centenario Roadster, Sián Roadster – Lamborghinis Few-Off-Modelle waren immer Versuchsträger, Sammlerobjekte und Designlabor zugleich. Der Fenomeno Roadster führt diese Reihe fort, nur unter den Bedingungen der Hybrid-Ära.
Fotos: Lamborghini
















