150 Jahre Nicola Romeo: Der zweite Teil von Alfa
Alfa Romeo kennt jeder. Zumindest als Namen, als Emblem und als festen Bestandteil italienischer Autogeschichte. Aber wer waren eigentlich die Menschen hinter der Marke? Und wie kam das Unternehmen zu seinem Namen? Am 28. April jährt sich der Geburtstag von Nicola Romeo zum 150. Mal. Ein guter Anlass, genauer hinzusehen.

Nicola Romeo/Foto: Stellantis
Nicola Romeo wurde am 28. April 1876 im süditalienischen Sant’Antimo bei Neapel geboren. Die Familie war groß, das Geld knapp, die Ausgangslage also eher unromantisch und weit weg von jener industriellen Welt, die später seinen Namen tragen sollte. Er studierte in Neapel und später in Lüttich, erwarb Abschlüsse in Bauingenieurwesen und Elektrotechnik, und lebte zeitweise in Frankreich und Deutschland. Romeo arbeitete anschließend für britische und amerikanische Unternehmen im Eisenbahnsektor. 1906 gründete er in Mailand schließlich sein eigenes Unternehmen: „Ing. Nicola Romeo & C.“. Zunächst importierte die Firma zerlegte Maschinen aus den USA, die im Tiefbau eingesetzt wurden.

Alfa 24 HP 1910 – noch ohne Romeo/Foto: Stellantis
Während des Ersten Weltkriegs wuchs Romeos Unternehmen stark. Er holte neue Partner an Bord und übernahm den Automobilhersteller Anonima Lombarda Fabbrica Automobili, kurz A.L.F.A., der zu diesem Zeitpunkt bereits in der Liquidation steckte. Der Krieg machte Romeo wohlhabend, weil sein Unternehmen Rüstungsgüter und militärisch relevante Technik produzierte. 1918 öffnete er die Firma für neues Kapital und änderte den Namen in „Società Anonima Italiana Nicola Romeo & C.“. Nach dem Krieg wurde die Produktion zunächst auf Landwirtschaft und Eisenbahn umgestellt. Erst 1919 kehrte der Automobilbau zurück. Von da an trugen die Fahrzeuge den Namen Alfa Romeo.

Alfa 20-30E.S, 1920 – /Foto: Stellantis
Ende 1921 geriet Alfa Romeo in eine finanzielle Schieflage. Das Unternehmen hing eng an der Banca Italiana di Sconto, die in der Nachkriegszeit zusammenbrach. Damit landete auch Alfa Romeo faktisch unter staatlich gestützter Bankenkontrolle. Nicola Romeo blieb zunächst Geschäftsführer, doch die unternehmerische Freiheit war deutlich kleiner geworden. Für das Unternehmen begann damit eine neue Phase, wirtschaftlich deutlich schwieriger und politisch enger geführt. Nicola Romeo blieb zunächst Geschäftsführer und steuerte den Übergang mit seiner industriellen Erfahrung. 1928 trat er zurück. Ein Jahr später wurde er zum Senator des Königreichs Italien ernannt – eine Auszeichnung, die seinen Rang als Industrieller seiner Zeit unterstrich. Nicola Romeo starb am 15. August 1938 in Magreglio, wo er sich mit seiner Frau und seinen sieben Kindern niedergelassen hatte. Er blieb als entschlossener Unternehmer in Erinnerung, der aus einem angeschlagenen Mailänder Autobauer einen Namen machte, der bis heute nachklingt.

Nicola Romeo und der Alfa Romeo P2/Foto: Stellantis
Motorsport war für Nicola Romeo kein dekorativer Zeitvertreib, sondern Teil der Unternehmensstrategie. Die Teilnahme an den Rennen sollten die Serienfahrzeuge bekannter machen, aber auch technische Entwicklungen hervorbringen, die später in die Produktion einfließen konnten. Dafür brauchte Romeo die richtigen Leute. Zwei Namen wurden dabei besonders wichtig: Vittorio Jano und Enzo Ferrari.

Alfa Romeo P2/Foto: Stellantis
Der Sieg bei der Targa Florio 1923 war für Alfa Romeo ein erster großer Schritt, reichte Romeo aber nicht. Die Marke sollte nicht nur gelegentlich gewinnen und sie sollte im internationalen Motorsport ernst genommen werden. Enzo Ferrari holte in Romeos Auftrag den Ingenieur Vittorio Jano nach Mailand. Jano entwickelte den Grand-Prix-Rennwagen P2, und genau dieses Auto brachte Alfa Romeo an die Spitze. 1925 gewann die Marke mit dem P2 den ersten Weltmeistertitel im Automobilrennsport. Für Alfa Romeo war das kein hübscher Pokal im Schrank, sondern ein Signal: Diese Firma konnte nicht nur elegante Straßenautos bauen, sondern auch Renntechnik auf höchstem Niveau.

Foto Stellantis
Janos Arbeit prägte Alfa Romeo noch lange. Nach dem Erfolg des P2 wurde er Technischer Direktor und entwickelte später die legendären 6C- und 8C-Modelle. Diese Fahrzeuge gehören bis heute zum Kern der Alfa-Romeo-Geschichte. Man kann sie im Alfa Romeo Museum in Arese sehen, und sie tauchen regelmäßig bei internationalen Klassik-Veranstaltungen auf.
Fotos: Stellantis






