Morgan Supersport 400
Morgan war immer eine dieser Marken, bei denen man den üblichen Sportwagen-Reflex kurz abstellen muss. Das Unternehmen baut seit Jahrzehnten Autos, die aussahen, als wären sie aus der Zeit gefallen: Holz, Aluminium, Leder, lange Haube, kurze Türen, offene Dächer und ein erstaunlich gelassenes Verhältnis zur Moderne. Rückständig war das nie. Eher eigensinnig. Morgan fuhr schon immer auf einer anderen Spur.
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Der neue Supersport 400 bleibt dieser Linie treu, markiert aber einen deutlichen Leistungssprung. Zum ersten Mal überschreitet ein Serien-Morgan die Marke von 400 (402 um genau zu sein) britischen hp; umgerechnet sind das rund 408 PS. Dazu kommen 500 Nm, 1.170 Kilogramm Leergewicht, 3,6 Sekunden von 0 auf 100 und eine Spitze von 290 km/h.
Die Basis bildet die CXV-Generation, Morgans geklebte Aluminiumplattform, die bereits den 2025 eingeführten Supersport getragen hat. Der Supersport 400 setzt genau dort an. Er ist die konzentriertere, schärfere Auslegung derselben Architektur. Morgan spricht von der leistungsstärksten Serienversion der eigenen Geschichte.

Morgan Supersport 400/Fotos: Morgan
Der Motor kommt weiterhin aus der technischen Partnerschaft mit BMW. Unter der langen Haube arbeitet der aktuelle B58 „O1“, ein 3,0-Liter-Reihensechszylinder mit TwinPower-Turbo. Laufruhe, Drehmoment, Belastbarkeit, Leistungsentfaltung: Das Ding hat sich in sehr unterschiedlichen BMW-Modellen den Ruf erarbeitet, ein moderner Reihensechser alter Schule zu sein. Die 408 PS liegen bei 6.500/min an, das maximale Drehmoment von 500 Nm bereits bei 1.250/min. Damit ist der Supersport 400 auf dem Papier enorm breit aufgestellt.
Geschaltet wird über eine Achtgang-Automatik von ZF. Puristen werden an dieser Stelle kurz den Tee abstellen. Ein Morgan ohne Handschalter, dazu über 400 PS und BMW-Turbomotor? Die ZF-Achtgangautomatik passt zu diesem Motor, weil sie das frühe Drehmoment sauber nutzt und zugleich genügend Spreizung für schnelle Landstraßen, Autobahn und entspannte Reiseetappen bietet.

Morgan Supersport 400/Fotos: Morgan
Der Supersport 400 ist technisch in mehreren Bereichen nachgeschärft worden. Das Dynamic Handling Pack gehört hier zur Serienausstattung. Beim normalen Supersport war es optional, im 400er ist es Pflichtprogramm. Dazu zählen einstellbare Nitron-Dämpfer vorn und hinten, spezifische Ventile, angepasste Federraten und überarbeitete Fahrwerksgeometrie. Die Dämpfer bieten 24 Klicks Verstellbereich. Das klingt nach Trackday, doch bei Morgan geht eher darum, das Auto auf Straßenqualität und persönlichen Geschmack abzustimmen.
Optional lässt sich zudem ein Sperrdifferenzial bestellen. Bei 500 Nm und Hinterradantrieb ist das keine exotische Spielerei, eher eine ziemlich sinnvolle Ergänzung. Wer das Auto wirklich auskosten will, dürfte an dieser Option schwer vorbeikommen. Akustisch bekommt der Supersport 400 eine neue Active Performance Exhaust-Anlage mit höherem Durchsatz. Morgan verspricht einen präsenteren, zielgerichteteren Klang.

Morgan Supersport 400/Fotos: Morgan
Die Frontkotflügel erhalten neue Entlüftungsöffnungen, die in die Karosserie integriert sind. Die unteren Karosserieelemente, beim Supersport in Satingrau gehalten, erscheinen nun glänzend. Dazu kommen serienmäßige geschmiedete 19-Zoll-Sportlite-Räder, die ungefederte Masse und rotierende Trägheit senken sollen. Serienmäßig sind sie in Mid Silver ausgeführt, optional in Dark Bronze. Bereift wird der Wagen mit Michelin Pilot Sport 5, vorn in 235/40 R19, hinten in 255/40 R19.
Im Innenraum bleibt Leder verfügbar, dazu kommen neue Alcantara-Optionen. Es gibt einfarbig schwarzes Alcantara sowie vier zweifarbige Kombinationen mit passendem Leder. Auch das Lenkrad kann mit Alcantara bezogen werden. Eine eigene Nahtgrafik für den Supersport 400 zieht sich über Sitze, Türen und Mitteltunnel. Die Instrumente erhalten ein eigenes Design und stammen von Caerbont, dem ursprünglichen Hersteller der Smiths-Instrumente in Großbritannien. Optisch analog, technisch über CAN- und LIN-Kommunikation angebunden.

Morgan Supersport 400/Fotos: Morgan
Der Supersport 400 bekommt vier neue Satinlackierungen: Forged Grey, Silk Silver, Sail Silver und Horizon Blue. Optional gibt es ein kontrastgraues Hardtop sowie Korall-Akzente für Außengrafiken, Bremssättel und Interieurelemente. Auch Intarsienarbeiten im Innenraum bleiben Teil der Morgan-Welt.
Morgan ordnet ihn als neues Flaggschiff ein und kündigt zugleich für die kommenden 18 Monate weitere maßgeschneiderte und limitierte Modelle an. Das Unternehmen investiert weiter in Entwicklung, Produktion und den Standort Malvern. Gleichzeitig wächst die Bedeutung der Märkte in Europa und den USA.

Morgan Supersport 400/Fotos: Morgan
Das kann funktionieren, weil der Markt für solche Autos gerade spannender wird. Viele Sportwagen sind heute schwer, stark, perfekt gedämmt und elektronisch hervorragend konditioniert. Sie liefern beeindruckende Zahlen, wirken im Alltag aber mitunter wie Hochleistungsgeräte mit Sitzheizung. Morgan ist der Gegenentwurf. Der Supersport 400 bietet viel Leistung, bleibt leicht, handgebaut und überschaubar groß. 4,11 Meter Länge, 1,80 Meter Breite, 1,29 Meter Höhe, 2,52 Meter Radstand.
Morgan nennt für den Supersport 400 einen Einstiegspreis von 112.965 Pfund zuzüglich lokaler Steuern. Umgerechnet liegt das bei rund 133.000 Euro netto. Für Deutschland wird daraus mit Mehrwertsteuer ein Betrag von etwa 158.000 Euro, noch ohne Überführung und Optionen. Damit spielt der Supersport 400 preislich in einer Region, in der klassische Sportwagen nur bedingt als Vergleich taugen. Caterham und Donkervoort sind radikaler und roher, Porsche industriell perfekter, Lotus fahrdynamisch näher an der reinen Lehre. Morgan steht irgendwo dazwischen, mit einem eigenen Ritual: handgefertigt in Malvern, mit Eschenholz, Aluminium und Leder als Markenkern. Seit 1909 baut Morgan Sportwagen, und Pickersleigh Road ist bis heute der einzige Produktionsort der Marke
Fotos: Morgan


















