Ferrari Amalfi Spider: Die Rückkehr des offenen V8-Gran-Turismo
Mit dem Amalfi Spider bringt Ferrari einen neuen offenen V8-Gran-Turismo auf die Straße. Frontmotor, Biturbo-V8, Stoffverdeck und eine 2+-Sitzkonfiguration – ein Ferrari, der nicht nur auf kurvenreichen Straßen funktioniert, sondern auch auf langen Strecken.
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Der Amalfi Spider steht damit in einer Linie mit Autos wie California, Portofino oder Roma Spider. Allesamt offene Ferrari mit Frontmotor, die für Wochenendfahrten, für Reisen, für Orte mit Meerblick gebaut wurden. Genau diese Rolle übernimmt nun der Amalfi Spider.
Technisch bleibt Ferrari seiner bewährten Architektur treu. Ferrari nennt das Layout Front-Mittelmotor. Gemeint ist damit, dass der V8 zwar vorne sitzt, aber hinter der Vorderachse montiert ist. Dadurch entsteht eine sehr ausgewogene Gewichtsverteilung von 48 Prozent vorne und 52 Prozent hinten. Das Auto ist 4,66 Meter lang, knapp zwei Meter breit und nur 1,30 Meter hoch. Mit einem Radstand von 2,67 Metern ergibt sich eine klassische Gran-Turismo-Proportion: lange Motorhaube, weit nach hinten versetzte Kabine und kurze Überhänge.

Ferrari Amalfi Spider/Foto: Ferrari
Das Design entstand im Ferrari Centro Stile unter Leitung von Flavio Manzoni. Man erkennt sofort die typische Formensprache der letzten Ferrari-Generation. Die Karosserie wirkt erstaunlich ruhig. Statt vieler Linien dominieren große, gespannte Flächen. Die Front ist flach und klar gestaltet. Schmale LED-Scheinwerfer flankieren einen breiten Lufteinlass, darüber spannt sich eine lange Motorhaube. Das Heck folgt demselben Prinzip. Der aktive Spoiler ist vollständig integriert und verändert die Linienführung kaum.
Auch beim Verdeck entschied sich Ferrari bewusst für eine klassische Lösung. Der Amalfi Spider nutzt ein Stoffdach, das mit einem Z-Faltmechanismus arbeitet. Es öffnet sich in 13,5 Sekunden und kann sogar während der Fahrt bis 60 km/h betätigt werden. Im zusammengefalteten Zustand benötigt das Dach nur 220 Millimeter Bauraum. Dadurch bleibt der Kofferraum erstaunlich großzügig. Mit geschlossenem Dach stehen 255 Liter zur Verfügung, bei geöffnetem Verdeck noch 172 Liter. Für ein Cabrio dieser Leistungsklasse ist das bemerkenswert viel.

Ferrari Amalfi Spider/Foto: Ferrari
Beim Material des Verdecks geht Ferrari ebenfalls einen interessanten Weg. Neben klassischen Stoffvarianten gibt es ein technisches Gewebe, dessen Struktur im Licht leicht schimmert. Die Oberfläche erzeugt einen dreidimensionalen Effekt und verbindet optisch Dach, Verdeckabdeckung und Heckpartie miteinander.
Der Innenraum folgt dem sogenannten Doppelcockpit-Prinzip. Fahrer und Beifahrer sitzen in zwei klar definierten Bereichen, die optisch miteinander verbunden sind. Das Layout zieht sich von den Sitzen über das Armaturenbrett bis zu den Türverkleidungen und erzeugt ein Gefühl von zwei nebeneinanderliegenden Kokons.

Ferrari Amalfi Spider/Foto: Ferrari
Im Zentrum steht eine massive Aluminiumbrücke im Mitteltunnel, die die wichtigsten Bedienelemente trägt. Kombiinstrument und Lüftungsdüsen sind erstmals in einem einzigen Block zusammengefasst.
Eine Entscheidung dürfte viele Ferrari-Fahrer freuen. Das neue Lenkrad besitzt wieder physische Tasten. Nach einigen Jahren kapazitiver Bedienflächen kehrt Ferrari damit zu einer klassischen Lösung zurück, die während der Fahrt deutlich einfacher zu bedienen ist. Der Startknopf aus eloxiertem Aluminium sitzt wieder prominent auf der linken Seite des Lenkrads.
Die Bedienung des Fahrzeugs basiert auf drei Displays. Direkt vor dem Fahrer arbeitet ein 15,6-Zoll-Instrumentendisplay, das alle fahrrelevanten Informationen darstellt. In der Mitte des Armaturenbretts befindet sich ein 10,25-Zoll-Touchscreen, über den Funktionen wie Multimedia, Telefon, Navigation, Klimatisierung oder Fahrzeugeinstellungen gesteuert werden. Auf der Beifahrerseite ergänzt ein 8,8-Zoll-Display das System und zeigt unter anderem Drehzahl oder G-Kräfte an.

Ferrari Amalfi Spider/Foto: Ferrari
Das Herz des Amalfi Spider bleibt jedoch der Motor. Ferrari verwendet die neueste Evolutionsstufe des bekannten F154-V8-Biturbo. Der Motor besitzt 3,9 Liter Hubraum und leistet 640 PS bei 7.500 Umdrehungen pro Minute. Das maximale Drehmoment beträgt 760 Newtonmeter und steht zwischen 3.000 und 5.750 Umdrehungen zur Verfügung. Die maximale Drehzahl liegt bei 7.600 U/min, die spezifische Leistung bei 166 PS pro Liter Hubraum.
Die Leistungssteigerung gegenüber früheren Varianten wurde durch mehrere technische Maßnahmen erreicht. Ferrari entwickelte ein neues Turbolader-Managementsystem, das eine unabhängige Steuerung der beiden Turbolader ermöglicht. Die maximale Drehzahl der Lader steigt auf bis zu 171.000 U/min. Gleichzeitig erhielt der Motor ein neues Steuergerät, das bereits in Modellen wie 296 GTB, Purosangue oder 12Cilindri eingesetzt wird.

Ferrari Amalfi Spider/Foto: Ferrari
Auch beim Gewicht wurde optimiert. Neue Nockenwellen sparen rund 1,3 Kilogramm. Der Motorblock wurde so überarbeitet, dass nicht tragende Materialbereiche entfernt werden konnten. Zusätzlich verwendet Ferrari erstmals ein Motoröl mit niedriger Viskosität, das den Widerstand beim Kaltstart um etwa 30 Prozent reduziert.
Typisch für Ferrari bleibt die mechanische Architektur des V8. Eine Flatplane-Kurbelwelle, kompakte Turbinen mit geringer Trägheit und gleich lange Abgaskanäle sorgen für ein besonders spontanes Ansprechverhalten. Gleichzeitig erhält der Motor eine sehr lineare Leistungsentfaltung über das gesamte Drehzahlband.
Die Kraftübertragung übernimmt ein Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe im Ölbad, das ursprünglich mit dem SF90 Stradale eingeführt wurde. Für den Amalfi Spider erhielt es eine neue Steuereinheit und eine engere Integration in die Motorsoftware um schnellere und gleichzeitig weichere Gangwechsel zu ermöglichen.

Ferrari Amalfi Spider/Foto: Ferrari
Auch beim Klang investierten die Ingenieure erheblichen Aufwand. Die Abgasanlage nutzt einen keramischen Katalysator mit Rhodium, Platin und Palladium, der besonders schnell auf Betriebstemperatur kommt. Ein elektronisch gesteuertes Bypass-Ventil passt den Klang des Motors an die jeweilige Fahrsituation an.
Die Fahrdynamik basiert auf Ferraris aktueller Elektronikarchitektur. Zentral ist das Side Slip Control System SSC 6.1, das verschiedene Regelungen miteinander vernetzt. Dazu gehören die elektrische Servolenkung, das elektronische Differenzial E-Diff3, die F1-Traktionskontrolle und der Ferrari Dynamic Enhancer.
Ein wichtiges Element ist das Brake-by-Wire-System, das die Bremsleistung präziser dosieren soll. Das weiterentwickelte ABS Evo nutzt Daten eines 6D-Sensors, um Geschwindigkeit, Schlupf und Fahrzeugbewegung zu berechnen. Dadurch kann die Bremskraft optimal auf jedes einzelne Rad verteilt werden.

Ferrari Amalfi Spider/Foto: Ferrari
Der Fahrer kann über das Manettino am Lenkrad zwischen fünf Fahrprogrammen wählen: Wet, Comfort, Sport, Race und ESC Off. Besonders die Sport- und Race-Modi wurden gegenüber früheren Ferrari-Modellen dynamischer abgestimmt.
Ein weiterer Bestandteil des Fahrdynamikkonzepts ist der aktive Heckspoiler. Er kann drei Positionen einnehmen und erzeugt in seiner stärksten Stellung bei 250 km/h rund 110 Kilogramm zusätzlichen Abtrieb. Gleichzeitig erhöht sich der Luftwiderstand nur minimal.
Die Räder des Amalfi Spider messen serienmäßig 20 Zoll. Vorn kommen Reifen der Dimension 245/35 zum Einsatz, hinten 285/35. Ferrari entwickelte die Reifen gemeinsam mit Pirelli, Goodyear und Bridgestone speziell für dieses Modell.
Die Fahrleistungen entsprechen dem, was man von einem modernen Ferrari erwartet. Der Amalfi Spider beschleunigt in 3,3 Sekunden von null auf hundert und erreicht 200 km/h nach 9,4 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 320 km/h.
Fotos: Ferrari


























