Dallara MPS: Einzelstück aus dem Lockdown
Manche Autos werden entwickelt, weil ein Markt dafür existiert. Dieses hier nicht. Die Dallara MPS (ausgeschrieben Macchina Posto Singolo) ist ein straßenzugelassenes Einzelstück mit Carbon-Monocoque, zentralem Fahrersitz und 2,3-Liter-Turbovierzylinder. RM Sotheby’s bietet den Wagen in Monaco am 25. April 2026 an. Der Wert wird mit über 700.000 Euro angegeben, das Käuferaufgeld entfällt, und der komplette Erlös geht an die Fondazione Caterina Dallara. Schon dieser Rahmen verrät, dass es hier nicht um eine normale Modellpolitik geht, sondern um ein Objekt mit sehr persönlichem, fast privatem Ursprung.
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Die MPS entstand aus einer Idee von Giampaolo Dallara während des Lockdowns in Italien. Ein kleines Kernteam von Spezialisten arbeitete an dem Projekt „Monoposto“. Der Ansatz war klar: eine Rennmaschine für die Straße. Also kein Supersportwagen im klassischen Sinn, eher die Übersetzung eines Konstruktionsgedankens in ein fertiges Auto. Dallaras Leitsatz dazu lautet sinngemäß: zuerst aerodynamische Exzellenz, dann Schönheit.

2024 Dallara MPS Macchina Posto Singolo/Foto: R.M. Sotheby´s
Die Architektur folgt dieser Logik ziemlich brutal. Die MPS ist ein Einsitzer mit zentraler Fahrerposition, inspiriert von Dallaras frühem SP1000 und zugleich eng verwandt mit dem ersten eigenen Straßenauto der Marke, der Dallara Stradale. Die Farbgebung und Lackierung zitieren ebenfalls den SP1000. Der Fahrer sitzt also nicht leicht versetzt wie in in einem handelsüblichen Fahrzeug, sondern exakt in der Mitte. Das reduziert die Stirnfläche und hilft der Aerodynamik, verändert aber auch die gesamte Wahrnehmung des Autos. Man blickt nicht über eine linke oder rechte Fahrzeughälfte, sondern entlang der Mittellinie.

2019 Dallara Stradale/Foto: R.M. Sotheby´s
Technisch greift der Wagen auf Bauteile der Stradale wie Heckmodul und Antriebsstrang zurück. Unter der Hülle arbeitet ein 2,3-Liter-Turbomotor auf Basis des Ford EcoBoost, gekoppelt an ein automatisiertes Sechsganggetriebe. Dallara selbst gibt für die Stradale 400 PS, 500 Newtonmeter und ein Trockengewicht von 855 Kilogramm an. Die Auktionsbeschreibung nennt für die MPS keine vollständigen Leistungsdaten, Top Gear spricht aber bei identischem Grundlayout von rund 400 PS und etwa 850 Kilogramm.

2024 Dallara MPS Macchina Posto Singolo/Foto: R.M. Sotheby´s
Wie bei Einzelanfertigungen üblich, mussten zahlreiche neue mechanische Teile in Dallaras Werkstätten von Hand gefertigt werden. Ein erheblicher Teil der Entwicklung floss in Ergonomie und Zugang. Das klingt zunächst banal, ist es aber nicht. Ein zentraler Einsitzer mit Monocoque und Straßenzulassung muss beim Einstieg, bei der Sitzposition, bei der Pedalanordnung und beim Sicherheitsgefühl funktionieren, sonst bleibt er Designübung. Dallara nennt Komfort, Sicherheit und die perfekte Fahrposition ausdrücklich als Grundpfeiler des Projekts und verweist auf zahlreiche physische Tests.

2024 Dallara MPS Macchina Posto Singolo/Foto: R.M. Sotheby´s
Auch formal ist die MPS näher an einer technischen Skulptur als an einem Supersportwagen nach bekanntem Muster. Erst nachdem Volumen und Linien feststanden, wurde Andrea Guerri hinzugezogen, um die skulpturale Form auszuarbeiten. Normalerweise wird zuerst die Form zelebriert und danach die Technik hineingefaltet. Hier lief es andersherum. Das erklärt warum der Wagen so eigentümlich wirkt.

2024 Dallara MPS Macchina Posto Singolo/Foto: R.M. Sotheby´s
Die Nähe zur Stradale ist trotzdem wichtig. Dallara hatte 2015 mit der Entwicklung des ersten homologierten Straßenautos begonnen, holte Loris Bicocchi für die Fahrwerksabstimmung und setzte bei der Stradale früh auf Aerodynamik, geringes Gewicht und mathematisch präzise definierte Ergonomie. Das Serienauto wird bis heute in Varano de’ Melegari gebaut. Die MPS nutzt diese Basis, schneidet aber alles Überflüssige weg.
Dieses Auto zeigt, was entsteht, wenn Dallara einen Straßenwagen mit der Konsequenz eines Monoposto denkt. Mittelsitz, Carbonwanne, geringe Masse, klare Aufgabe. Viel näher kommt man einem technischen Selbstporträt auf Rädern kaum.
Fotos: Sotheby´s






















