Bugatti W16 Mistral „La Perle Rare“
8,0 Liter Hubraum. 16 Zylinder. Vier Turbolader. 1.600 PS. Offen.
Man muss diese Zahlen einmal langsam lesen, weil sie heute fast anachronistisch wirken. Während der Rest der Industrie über Software-Updates, Over-the-Air-Funktionen und Rekuperationsstrategien spricht, schickt Bugatti noch einmal ein rein mechanisches Monument auf die Straße. Der W16 Mistral ist kein Neuanfang, er ist der konsequente Schlusspunkt einer Entwicklung, die 2005 mit dem Veyron begann.
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Technisch betrachtet ist der Mistral die offene Interpretation des Chiron Super Sport. Der bekannte 8,0-Liter-W16 mit vier Turboladern leistet 1.600 PS und stemmt 1.600 Newtonmeter. Sieben Gänge, Doppelkupplung, permanenter Allradantrieb. Theoretisch jenseits der 420 km/h. Praktisch ist alles oberhalb von 350 km/h ohne Dach eher ein physiologisches Experiment.

Bugatti W16 Mistral/Foto: Bugatti
Der Motor selbst ist ein technisches Kuriosum. Zwei VR8-Einheiten, im 90-Grad-Winkel gekoppelt, 64 Ventile, vier Turbolader. Verpackungstechnisch ein Albtraum, thermisch eine permanente Herausforderung. Die eigentliche Ingenieursleistung lag nie allein in der schieren PS-Zahl, sondern im Management von Hitze, Luftmassen und mechanischer Belastung. Vier Turbolader bedeuten viermal Verdichtung, viermal Temperatur, viermal Materialstress.
In Zeiten, in denen selbst Supersportwagen auf Hybridunterstützung setzen, ist dieses Aggregat ein Fossil. Und genau deshalb ist es relevant. Es wird kein zweites geben. Kein Hersteller entwickelt heute noch einen 16-Zylinder-Verbrenner ohne Elektrounterstützung. Der Mistral ist die letzte Gelegenheit, 1.600 PS rein mechanisch zu erleben.

Bugatti W16 Mistral La Perle Rare/Fotos: Bugatti
Wie „La Perle Rare“ entstand
Die Geschichte dieser Variante beginnt nicht im Lackieratelier, sondern 2023 auf dem Pebble Beach Concours d’Elegance. Dort traf Bugattis Sur-Mesure-Team auf den Kunden, der aus dem ohnehin exklusiven Mistral ein persönliches Einzelstück machen wollte.
Ausgangspunkt war kein fertiges Farbmuster, sondern eine Idee: ein Fahrzeug, das nicht aggressiv wirkt, sondern skulptural. Elegant, fließend, fast ruhig – trotz 1.600 PS. Statt klassischem Schwarz, Blau oder Sichtcarbon entwickelte sich das Gespräch schnell in Richtung heller Töne. Zunächst war ein silbernes Konzept angedacht, daraus entstand nach mehreren Iterationen der Gedanke eines zweigeteilten Aufbaus in warmen und kühlen Weißnuancen.

Bugatti W16 Mistral La Perle Rare/Fotos: Bugatti
Im Laufe zahlreicher Designrunden wurde das Konzept weiter verfeinert. Ziel war es, eine klare optische Trennung zwischen oberem und unterem Fahrzeugteil zu schaffen – eine Art horizontale Spannung, die das Auto visuell streckt. Das Gold kam später ins Spiel: nicht als Showeffekt, sondern als bewusster Kontrast zum Weiß. Es sollte Wärme hineinbringen, ohne ornamental zu wirken.
Entscheidend war dabei nicht nur die Farbwahl, sondern die Handschrift. Die Linienführung wurde mehrfach angepasst, bis sie exakt der Karosserieskulptur folgte. Selbst die Felgenfarbe wurde eigens abgestimmt, damit das Zusammenspiel aus Gold und Weiß nicht wie Zubehör wirkt, sondern wie ein geschlossenes Konzept.

Bugatti W16 Mistral La Perle Rare/Fotos: Bugatti
Auch im Innenraum wurde das Thema konsequent fortgeführt. Weiß lackierte Carbonflächen, goldene Linien in den Türverkleidungen und eine auf das Exterieur abgestimmte Lichtstimmung greifen die Idee auf. Sogar die Signatur „La Perle Rare“ findet sich mehrfach im Fahrzeug – als bewusstes Bekenntnis zur Individualisierung. Gleichzeitig sitzt hinter dem Fahrer ein Aggregat, das bei Volllast mehr Luft bewegt als ein kleiner Windpark.
Ein Detail mit Symbolkraft ist der „Tanzende Elefant“ – Rembrandt Bugattis Skulptur, die seit dem Type 41 Royale zur Markengeschichte gehört. Im Mistral taucht er wieder auf, integriert in Bedienelemente und Karosseriedetails.
Fotos: Bugatti






















